Düsseldorf: Ryanair-Tickets kosten im Schnitt 33 Euro

Düsseldorf: Ryanair-Tickets kosten im Schnitt 33 Euro

Der größte Billigflieger Europas setzt auf Verdrängungswettbewerb. Das durchschnittliche Ticket kostete im letzten Quartal 2016 sieben Euro weniger als noch vor einem Jahr. Morgen stellen die Iren weitere Strecken ab Köln vor.

Während Air Berlin andauernd rote Zahlen schreibt und sich zunehmend dem Lufthansa-Ableger Eurowings nähert, schafft Europas aggressivste Fluggesellschaft Fakten: Wie bereits bekannt, hat Ryanair im vergangenen Jahr mit 117 Millionen Passagieren die Lufthansa-Gruppe mit knapp 110 Millionen Passagieren erstmals überholt - und damit jede andere Airline des Kontinents bei der reinen Passagierzahl überrundet.

Die gestern vorgestellten Quartalszahlen zeigen nun, wie entschlossen die Iren angreifen: Um weitere Marktanteile zu gewinnen, senkten sie den Durchschnittspreis eines Tickets innerhalb eines Jahres von 40 Euro auf nur noch 33 Euro in den drei verkehrsschwachen Monaten von Oktober bis Dezember.

Der Vorstand geht von weiter sinkenden Preisen 2017 aus. Und das Wachstum wird enorm sein: Im Frühling hatte Ryanair 341 Jets. Diesen März werden es 383 Maschinen sein. In zwei Jahren sollen es laut Planung fast 450 Stück sein, 2024 sogar knapp 600 Maschinen. "Ryanair macht Tempo", sagt dazu Peter Berster, Airline-Experte beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), "die haben für den Ausbau einen klaren Plan".

Das gilt auch für NRW. Morgen wird Ryanair für Köln-Bonn rund sechs oder sieben neue Ziele verkünden, vermutet ein Manager am dortigen Flughafen. Schon jetzt fliegt Ryanair ab der Domstadt Barcelona, Madrid, Rom, Warschau und 17 andere Ziele an. Weitere Strecken ab Weeze am Niederrhein kommen hinzu - irgendwann wird wohl Düsseldorf als Basis auch dazugehören, sofern es Zugeständnisse bei den Landegebühren gibt.

Denn Ryanair ist alles andere als eine Wohltätigkeitsorganisation, sondern ein extrem effizient geführtes Unternehmen zur Wachstums- und Gewinnmaximierung.

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So hatte die Fluggesellschaft im abgelaufenen Quartal trotz Preisschlacht noch immer eine Nettomarge von sieben Prozent auf den Umsatz - da kommt kein Wettbewerber mit.

Der Börsenwert lag gestern bei 18 Milliarden Euro - Lufthansa als umsatzstärkste Fluggesellschaft Europas kommt nur auf 5,8 Milliarden Euro.

Wie sehr der Angreifer spart, zeigen die Personalkosten: Ryanair zufolge kostet die Belegschaft pro Passagier und Strecke fünf Euro im Schnitt, Air Berlin kommt auf 19 Euro, Easyjet gibt zehn Euro aus. Ein Grund für den Unterschied ist, dass mancher Beschäftigte von Ryanair als quasi freier Mitarbeiter eingestuft ist, das Personal in der Kabine kommt oft aus Osteuropa. Für Flughafengebühren inklusive Gepäckausladen zahlen die Iren im Schnitt acht Euro pro Passagier, Air Berlin kommt auf 28 Euro, Easyjet zahlt 22 Euro.

Und der Besitz der Flugzeuge inklusive Wartung kostet Ryanair mit der Einheitsflotte von sehr günstig eingekauften Boing-737-Jets nur sechs Euro pro verkauftem Ticket, wogegen Air Berlin auf 31 Euro kommt und Easyjet auf neun Euro.

Außerdem ist Ryanair eine perfekte Marketingorganisation: Dank flexibler Preise und vieler Sonderangeboten liegt die Auslastung der Jets bei 95 Prozent. Die reinen Ticketpreise sind dabei nur ein Teil der Einnahmen. Hohe Zusatzerlöse bringen das Vermitteln von Hotels, Mietwagen oder der Verkauf von Drinks während des Flugs. Vorstandschef Michael O'Leary verkündet denn auch als Vision, irgendwann Tickets umsonst anzubieten. Er meint, die vielen Nebengeschäfte könnten dann reichen, um die Kasse zu füllen.

(RP)
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