RWE will rasche Kohle-Zusagen

Energiekonzern : RWE will rasche Kohle-Zusagen

Die Gespräche zwischen Deutschlands größtem Stromproduzenten RWE und der Bundesregierung bezüglich möglicher Entschädigungszahlungen wegen des Kohleausstiegs gestalten sich schwierig. RWE-Vorstandschef Rolf Schmitz beschrieb die Gesprächssituation am Mittwoch als „sachlich-nüchtern“ und erklärte: „Wir hoffen, dass es zügig zu konkreten Ergebnissen kommt, die Planungssicherheit schaffen für unser Unternehmen, unsere Beschäftigten und die betroffenen Regionen.“

Wegen des geplanten Kohleausstiegs bis 2038 verlangt der Essener Konzern einen Ausgleich vom Bund von bis zu 1,5 Milliarden Euro pro abgeschaltetem Gigawatt. Näheres zum derzeitigen Stand der Verhandlungen könne man derzeit aber nicht sagen, sagte der Manager. „Wir haben Vertraulichkeit vereinbart“, erklärte Schmitz. Man gehe aber davon aus, dass man im Laufe der zweiten Jahreshälfte zu einem Ergebnis bei den Verhandlungen komme.

Erfreut zeigte sich der RWE-Vorstand bei den Halbjahreszahlen. Demnach hat der Konzern seinen Gewinn in der ersten Jahreshälfte deutlich um knapp 34 Prozent gesteigert: „RWE-Stand-alone“ (ohne die Zahlen der Noch-Tochter Innogy) betrug der bereinigte Nettogewinn 914 Millionen Euro. Ausschlaggebend dafür sei vor allem das starke Geschäft im Energiehandel, also mit Gas, Strom, Öl, Stein- und Braunkohle, gewesen, erklärte RWE. In diesem Bereich machte der Konzern im ersten Halbjahr fast 76 Prozent mehr Gewinn (434 Millionen Euro) als im Vorjahr. Bereits Ende Juli hatte das Unternehmen deshalb seine Ergebnis-Prognose für das laufende Jahr nach oben korrigiert. Der Konzern erwarte nun einen Gewinn von 500 bis zu 800 Millionen Euro, das wären 200 Millionen Euro mehr als ursprünglich prognostiziert. Die Ankündigung ließ den Aktienkurs um mehr als ein Prozent steigen. RWE war damit stärkster Wert im Dax.

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag im ersten Halbjahr bei 1,37 Milliarden Euro und ist damit ebenfalls deutlich gestiegen (plus 20 Prozent). Für 2019 erwartet das Unternehmen ein bereinigtes Ebitda zwischen 1,4 und 1,7 Milliarden Euro. Zuvor war RWE von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro ausgegangen.

Der Konzern erwarte außerdem eine steigende Profitabilität des Braun- und Steinkohle-Segmentes, hieß es. „2022 steigt Deutschland aus der Kernenergie aus. Weitere Stilllegungen aufgrund der Stilllegungsliste der Bundesnetzagentur und der Vorschläge der Kommission werden die Märkte weiter verknappen. Das wirkt sich auf die Strompreise aus“, erklärte RWE-Finanzvorstand Markus Krebber.

Beim Energiekonzern schaut man derzeit zudem besonders gespannt auf die anstehende Transaktion mit Konkurrent Eon. RWE will die Netz- und Vertriebsgeschäfte seiner Tochter Innogy an Eon übergeben und dafür alle erneuerbaren Energien beider Unternehmen übernehmen. „Die nächsten Monate werden mit zu den spannendsten Momenten unserer Geschichte gehören, darauf freuen wir uns riesig“, sagte Schmitz. Ein Abschluss der Transaktion wird für September erwartet. Es fehlt noch die Genehmigung der EU-Kommission.

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