1. Wirtschaft

Essen: RWE will Öl-Tochter Dea verkaufen

Essen : RWE will Öl-Tochter Dea verkaufen

Die Braunkohle bescherte dem zweitgrößten deutschen Energiekonzern 2012 einen Gewinnschub. Doch die Schulden sind gestiegen. Nun will RWE-Chef Peter Terium Tafelsilber verkaufen, um Spielraum für den Ökostrom zu bekommen.

Zu den Gewinnern der deutschen Energiewende gehört neben den subventionierten Ökostromanbietern in bestimmter Weise auch RWE – und zwar ausgerechnet wegen seiner kostengünstigen Braunkohlekraftwerke im rheinischen Revier. Die produzierten im vergangenen Jahr so viel Strom wie niemals zuvor und bescherten RWE einen Gewinnschub um zehn Prozent auf 9,3 Milliarden Euro (Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibung).

Die Braunkohlekraftwerke sind so profitabel, weil sie teilweise schon abgeschrieben sind. Die Erzeugung von einer Megawattstunde Braunkohle kostet nach Branchenangaben 19 Euro, Atomstrom 25 Euro und Strom aus Gaskraftwerken 58 Euro. Zudem sind wegen des Ökostrom-Booms die Preise für die Verschmutzungsrechte stark gesunken, so dass die CO2-intensive Braunkohle viel günstiger verfeuert werden kann, als RWE erwartet hatte.

Freuen durfte sich der Konzern auch über einen dreistelligen Millionen-Betrag, den er wegen der Neuverhandlung der teuren langfristigen Gaslieferverträge einstreichen konnte.

"Im Jahr 2012 haben wir uns gut behauptet", sagte gestern RWE-Chef Peter Terium bei der Vorstellung der Bilanz. Doch der Niederländer weiß, dass die Welt im nächsten Jahr ganz anders aussehen wird. RWE verkauft an den Terminbörsen jetzt den Strom für die Zukunft – und der Preis ist abgestürzt. Zudem ist die Verschuldung des Essener Konzerns – vor allem wegen erhöhter Pensionsrückstellungen – auf 33 Milliarden Euro gestiegen. Damit hat RWE fast so viele Schulden wie der (dem Umsatz nach doppelt so große) Konkurrent Eon, der zuletzt auf 36 Milliarden Euro Schulden kam. "Ich kann trotzdem gut schlafen, wir haben besten Zugang zum Kapitalmarkt", sagte Terium. "Wir haben ein Verschuldungsproblem, aber kein Cashflow-Problem."

Doch die hohe Verschuldung lässt dem Konzern kaum Spielraum für den nötigen Ausbau der erneuerbaren Energien. RWE muss bereits die jährlichen Investitionen in den Ökostrom um die Hälfte auf 500 Millionen Euro senken. Dabei machen Wind und Co. erst fünf Prozent der Stromerzeugung bei RWE aus, selbst die Atomkraft sorgte trotz der abgeschalteten Meiler in Biblis noch für 14 Prozent des Stroms.

"Unser traditionelles Geschäftsmodell erodiert und unsere Bilanz ist nicht in Ordnung", räumte Terium ein. Um handlungsfähiger zu werden, treibt RWE nun den Verkauf des Tafelsilbers voran. Terium kündigte an, dass der Konzern seine Tochter Dea komplett verkaufen will. RWE hatte das Hamburger Unternehmen 1988 von Texaco übernommen. Die Dea fördert Erdöl und Erdgas, in Deutschland ist sie im Wattenmeer und in Niedersachsen aktiv. Die 1400 Dea-Mitarbeiter erzielen einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro. Trennen will sich RWE auch von Biomasse-Kraftwerken und der tschechischen Gastochter. Der Börse gefielen die Pläne: Die RWE-Aktie legte zeitweise um vier Prozent auf 30 Euro zu.

Der Umbau trifft auch die Belegschaft. Von den derzeit 70 000 Stellen will RWE in den nächsten drei Jahren 5000 Stellen streichen, wie Personalvorstand Uwe Tigges den Stand beim Sparprogramm "RWE 2015" erläuterte. Weitere 2400 Stellen sollen wegfallen, diese seien aber noch nicht identifiziert.

Gespart wird auch beim Vorstand, der nach dem Wechsel von Leonhard Birnbaum zu Eon auf vier Posten verkleinert wird. Birnbaum räumt bei RWE bereits sein Büro und war gestern bei der Bilanz-Vorstellung schon nicht mehr dabei.

Die Stromkunden werden den Umbau ebenfalls mitbezahlen. Weitere Erhöhungen der Strompreise schloss Terium nicht aus. Die Zahl der Stromkunden in Deutschland fiel 2012 leicht auf sieben Millionen.

(RP)