Essen: RWE schaltet mehrere Kraftwerke ab

Essen : RWE schaltet mehrere Kraftwerke ab

Die Bundesregierung gibt sich besorgt wegen der Versorgungssicherheit. Gleichzeitig gibt es neuen Streit um Arbeitsplätze. Der Vorstand will Stellen nach Polen verlagern – die Gewerkschaft hält dagegen.

Der RWE-Konzern kommt nicht zur Ruhe. Der Vorstand will gleich eine ganze Kette an Kohle- und Gaskraftwerken zeitweise stilllegen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf Kreise im Unternehmen. Bereits am Mittwoch könnte es eine Bestätigung für die Pläne geben, wenn RWE-Chef Peter Terium die Halbjahreszahlen vorlegt.

Indirekt zeigte sich die Bundesregierung besorgt über die Zuverlässigkeit der Stromversorgung. Die Bundesnetzagentur habe alle Instrumente in der Hand, um zu prüfen, ob das Abschalten von Kraftwerken die Versorgungssicherheit gefährde, erklärte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Damit deutete er an, dass der Weiterbetrieb der Kraftwerke vielleicht erzwungen wird. "Die Bundesregierung hat gezeigt, dass wir dem Ziel Versorgungssicherheit Vieles unterordnen", sagt der FDP-Politiker. Für immerhin 24 Monate könnte der Weiterbetrieb von Anlagen angeordnet werden.

Wie ernst die Lage ist, hatte RWE-Primus Terium Ende Juli verkündet. "30 bis 40 Prozent der Kraftwerke" würden mittelfristig rote Zahlen schreiben, erklärte er – 10 000 Megawatt Leistung stünden "unter Beobachtung". Grund dafür ist, dass das rapide steigende Angebot von Ökostrom aus Sonne und Wind für immer weiter sinkende Preise im Stromgroßhandel führt. Davon profitieren zwar manche großen Abnehmer und auch viele Stadtwerke, doch bei RWE und beim Wettbewerber Eon kommen die Gewinne weiter unter Druck – die RWE-Aktie notierte gestern mit 21,50 Euro so niedrig wie seit fünf Jahren nicht.

Vorrangig Kraftwerke im Norden und im Westen Deutschlands könnten von den Stilllegungen bei RWE betroffen sein, glauben Konzernkenner – also auch Anlagen im Braunkohlegebiet westlich von Düsseldorf. Dabei geht es nach Brancheninformationen um eine Leistung von sicher "mehreren Tausend Megawatt" – also mehreren großen Kraftwerken.

Zumindest vorläufig wird es aber keine Entlassungen geben. "Zum Glück haben wir RWE bis Ende 2014 das Verbot betriebsbedingter Kündigungen im Tarifvertrag abgehandelt", erklärt Christoph Schmitz, Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Trotzdem eskalieren die Spannungen mit den Arbeitnehmervertretern. Laut einem Bericht der "WAZ" will RWE einige Hundert Dienstleistungsjobs nach Polen verlagern, um Kosten zu sparen. "Das wäre eine ganz falsche Weichenstellung", hält die Gewerkschaft dagegen. Insgesamt sollen in der Servicesparte mit ihren aktuell 1600 Jobs rund 100 Millionen Euro eingespart werden – ein Drittel der Kosten.

Trotz vorläufigem Kündigungsschutz wird es dabei die härtesten Konflikte in der Kraftwerksparte geben. Laut Reuters plane der Vorstand, ganze Kraftwerke ins Ausland zu verkaufen. "Die wollen alles versilbern, was zu versilbern ist", habe ein Spitzenpolitiker erfahren.

Mit dem neuen Sparprogramm "RWE Neo" sollen nun 500 Millionen Euro speziell in der Kraftwerksparte eingespart werden. Eines der ersten Opfer sind die Auszubildenden: RWE verweigert der Gewerkschaft bisher den Abschluss eines neuen Vertrages zur Übernahme von Lehrlingen. Außerdem läuft Ende des Jahres der Manteltarifvertrag aus – dann könnte es weniger Urlaub oder längere Arbeitszeiten geben.

(RP)
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