Düsseldorf: RWE nimmt jetzt auch Braunkohle vom Netz

Düsseldorf: RWE nimmt jetzt auch Braunkohle vom Netz

Der Energiekonzern legt bis 2017 weitere 1000 Megawatt still, weil er sich den Betrieb der defizitären Anlagen nicht mehr leisten kann.

Der Energieversorger RWE schließt nun auch Kohlekraftwerks-Kapazitäten. Zum 1. Juli 2015 will der Dax-Konzern das Braunkohlekraftwerk in Hürth mit einer Kapazität von 110 Megawatt weitgehend abschalten. Wie eine Unternehmenssprecherin gestern bestätigte, sollen außerdem der Block C des Steinkohlekraftwerks in Hamm (284 Megawatt, Anfang 2016) und das Steinkohlekraftwerk in Werne (610 Megawatt, 2017) vom Netz gehen. Insgesamt schaltet RWE in den kommenden drei Jahren zusätzliche 1000 Megawatt ab - aus "rein kommerziellen Gründen", hieß es.

Seit Anfang 2013 hat RWE 12 600 Megawatt an Kraftwerksleistung ganz oder vorübergehend stillgelegt. In den meisten Fällen handelte es sich aber um unrentablere Gaskraftwerke. Dass nun auch Braunkohle als eigentlich profitablerer Energieträger betroffen ist, zeigt die Not des Konzerns: RWE steckt in der Krise, der Gewinn der Kraftwerkssparte war im vergangenen Quartal um 25 Prozent eingebrochen. RWE will morgen seine Halbjahresbilanz vorlegen. Der Aufsichtsrat wurde über die Pläne schon vor Wochen informiert und ist um absolutes Stillschweigen bis zur morgigen Vorlage der Zahlen gebeten worden. Entsprechend verärgert reagierten die Kontrolleure gestern darauf, als die "Süddeutsche Zeitung" über die Schließungspläne berichtete.

In Betriebsratskreisen hieß es gestern, dass die Mitarbeiter der betroffenen Kraftwerke derzeit keine betriebsbedingten Kündigungen zu befürchten haben. Der aktuelle Tarifvertrag, der noch bis Jahresende gilt, schließe das aus. Ob und welcher Kündigungsschutz danach besteht, hinge vom Ausgang der Verhandlungen über den Anschlussvertrag ab. In den bisher angekündigten Programmen zum Stellenabbau sind die Kraftwerksschließungen noch nicht berücksichtigt.

Das Problem für Energiekonzerne: Ökostrom hat Vorrang im Netz und verdrängt Strom aus konservativer Erzeugung. Damit sinkt die erzeugte Strommenge in Kraftwerken, die niedrigere Auslastung frisst die durch niedrige Strompreise ohnehin kleinen Gewinnmargen auf.

RWE-Spartenchef Matthias Hartung hatte zuletzt betont, nicht länger unrentable Kraftwerke betreiben zu wollen. Etwa jede vierte Anlage erwirtschaftet nicht einmal mehr die Kosten für Brennstoff und CO2-Ausstoß. Die gestrigen Vorstandsbeschlüsse sind erste Resultate, denen weitere folgen könnten. In Frimmersdorf, Neurath und Niederaußem betreibt RWE noch weitaus größere Braunkohle-Anlagen.

(RP)
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