Essen/Cottbus: RWE hat kein Geld für die Lausitzer Braunkohle

Essen/Cottbus: RWE hat kein Geld für die Lausitzer Braunkohle

Vattenfalls geplanter Ausstieg aus der Braunkohle beflügelt die Fantasie in Nordrhein-Westfalen. Schon früher hatte es erste Überlegungen gegeben, ob der RWE-Konzern, der mit Abbau und Verfeuerung von Braunkohle aus dem rheinischen Revier Marktführer in Deutschland ist, auch die Tagebaue in der Lausitz dazunimmt. Vor kurzem hatte Vattenfall angekündigt, sich von der Braunkohlesparte trennen zu wollen. Schwedens neue rot-grüne Regierung will mit ihrem Staatskonzern mehr auf Ökostrom setzen. Neue Chance für eine alte Idee?

Der Essener Konzern wiegelt ab. Es gebe keine diesbezüglichen Pläne, sagte eine RWE-Sprecherin. Der Essener Konzern hatte derartige Gedankenspiele schon mehrfach deutlich dementiert.

Dabei hätte die Idee aus Sicht vieler Beteiligter Charme. Im zweitgrößten Braunkohlerevier Deutschlands arbeiten etwa 8000 Menschen. Die Gewerkschaft IG BCE wäre durchaus froh, wenn diese Stellen unter die Obhut von RWE und nicht in die Hände eines neuen ausländischen Investors fielen. Als ein Interessent für Vattenfalls Braunkohle gilt nämlich der tschechische Energiekonzern EPH. EPH besitzt bereits die Braunkohlengesellschaft Mibrag in Sachsen-Anhalt und hatte schon vergeblich versucht, den fünftgrößten Versorger Steag zu übernehmen. EHP gilt als aggressiv. Auch für RWE würde eine Übernahme taktisch Sinn machen: Lausitz und rheinisches Revier zusammen bedeuten 16 000 Arbeitsplätze. Die wären ein gewichtiges Argument im Poker von RWE mit der Bundesregierung um Klimaschutz, Emissionsrechte und die geplante Stilllegung von Braunkohle-Blöcken. Die Verhandlungsmacht von RWE würde wachsen.

Indes: RWE ist mit über 30 Milliarden Euro hoch verschuldet und kaum in der Lage zu großen Übernahmen. Investitionen hat der Konzern schon jetzt stark zurückgefahren. Die noch vorhandenen Mittel sollen fast nur noch in den Ausbau des Ökostroms fließen. Und so wird es bei den Planspielen bleiben.

(anh/dpa)
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