Konzern verdoppelt den Gewinn RWE hält an Kohleausstieg 2030 fest

Essen · Der Energiekonzern hat bereits sechs Milliarden Euro eingefahren. Er hofft, dass der Bund bald über die Verlängerung für zwei Blöcke in Neurath entscheidet. Mit dem Großaktionär Katar gibt es keine Debatten zur Hamas.

Tagebau Garzweiler: Die Blöcke Neurath D und E könnten bis 2025 laufen, wenn der Bund es will.

Tagebau Garzweiler: Die Blöcke Neurath D und E könnten bis 2025 laufen, wenn der Bund es will.

Foto: picture alliance / Rupert Oberhäuser/Rupert Oberhäuser

Der Energiekonzern RWE kann vor Kraft kaum laufen: Er verdoppelte in den ersten neun Monaten seinen Gewinn nahezu - dieser stieg von 3,4 Milliarden im Vorjahreszeitraum auf 6,2 Milliarden Euro. Dazu trugen vor allem höhere Gewinne aus der internationalen Stromerzeugung und dem Energiehandel bei. Seit Jahresbeginn sei die Erzeugungskapazität um sechs Gigawatt gestiegen, sagte Finanzvorstand Michael Müller. „Das führt zu einer deutlich gesteigerten Stromproduktion aus erneuerbaren Energien.“

Folgen für die Aktionäre Bei den Anlegern kamen die Zahlen gut an, die Aktie legte zeitweise um gut zwei Prozent auf 37 Euro zu. Vor acht Jahren war die Aktie nicht einmal zehn Euro wert. RWE bestätigte das Ziel, für 2023 eine Dividende von einem Euro je Aktie zahlen zu wollen - nach zuletzt 90 Cent.

Zukunft der Braunkohle Derzeit prüft die Bundesregierung, zwei große Braunkohle-Anlagen von RWE bei Grevenbroich länger laufen zu lassen. Die 600-Megawatt-Blöcke (Neurath D und E) hätten planmäßig schon stillgelegt sein sollen. Zunächst hatte der Bund entschieden, sie bis März 2024 am Netz zu lassen. Aktuell geht es um eine Verlängerung bis Frühjahr 2025. Der Bund hätte laut Kohleverstromungsbeendigungsgesetz eigentlich bis Ende September Klarheit schaffen müssen. Doch still ruht der See. „Wir warten weiter auf die Entscheidung der Bundesregierung und würden uns freuen, wenn diese zügig getroffen wird, da auch die Beschäftigten Klarheit brauchen“, sagte Müller.

Am Kohleausstieg 2030 für alle RWE-Kraftwerke, den Finanzminister Christian Lindner (FDP) in Frage gestellt hatte, will der Konzern nicht rütteln: Es gebe eine Einigung mit Bund und Land, das Ganze sei auch gesetzlich fixiert, so Müller. „Jetzt kommt es darauf an, Netze und Erneuerbare Energien auszubauen, das ist die Voraussetzung für den Kohleausstieg 2030.“

Großaktionär Katar Der Staatsfonds von Katar ist seit dem Frühjahr größter Einzelaktionär und hält neun Prozent der RWE-Anteile. Zugleich gilt Katar als ein Finanzier der Hamas. Kann RWE ausschließen, dass seine Ausschüttungen am Ende bei der Terrororganisation landen? „Mit dem Investor gibt es keinen Debatten dazu, dazu kann ich nichts sagen“, sagte Müller und betonte: „Wir sind entsetzt über die Terrorattacken der Hamas und den Einfluss des Kriegs auf die Zivilbevölkerung.“

Strompreise Durch die sinkenden Gaspreise sind die Großhandelspreise für Strom gesunken. Müller erwartet, dass es bei den Strompreisen dauerhaft eine weitere Entspannung geben wird, wenn die Erneuerbaren Energien ausgebaut werden. Doch das dauere noch.