Essen: RWE-Gewinn bricht um 28 Prozent ein

Essen: RWE-Gewinn bricht um 28 Prozent ein

Deutschlands zweitgrößtem Stromkonzern, RWE, geht es noch schlechter als angenommen. Vorstandschef Peter Terium gab gestern einen um 28 Prozent eingebrochenen Nettogewinn im ersten Halbjahr bekannt. Als Reaktion rutschte die Aktie um acht Prozent nach unten. Mit einem Kurs von 17 Euro ist das Papier so billig wie noch nie, das Unternehmen hat nur noch elf Milliarden Euro an Börsenwert. "Der Wind bläst uns stark ins Gesicht", sagte Terium.

Hauptgrund für die Gewinnschwäche sind die weiter gesunkenen Großhandelspreise für Strom, erklärte der RWE-Chef. Sie führten dazu, dass der Konzern im zweiten Quartal einen Nettoverlust ausweisen musste. Dies lässt befürchten, dass es für die Erzeugersparte, also das Kraftwerksgeschäft insbesondere im Braunkohlerevier in NRW, ein weiteres Sparprogramm geben könnte. Dazu äußerte sich der Vorstand nur schwammig: An sich seien alle geplanten Einsparungen im bereits bekannten Zwei-Milliarden-Euro-Programm schon enthalten, sagte Finanzvorstand Bernhard Günther. "In dem Maße, wie sich die Umstände verschlechtern, müssten wir das anpassen", ergänzte er dann aber auch.

Der Vorstand hielt trotz des Gewinneinbruches daran fest, dass er im gesamten Jahr ein bereinigtes Nettoergebnis von 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro erreichen könne. 2014 waren es noch 2,3 Milliarden Euro.

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Terium schloss nicht aus, dass RWE neben den Kommunen einen weiteren Großaktionär bekommt -und zwar aus dem Mittleren Osten. Laut Branchenkennern ist dies der Infrastrukturfonds aus Abu Dhabi.

Derweil meldete der "Spiegel", dass der Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller bereit sei, neuer Aufsichtsratschef von RWE zu werden. Dafür spräche, dass Müller gute politische Kontakte habe. Damit könne er in Berlin und Brüssel dafür werben, dass es künftig Subventionen für den Betrieb von Kohlekraftwerken gibt. Diese wären eine Sicherheitsreserve beim weiteren Ausbau regenerativer Energien. Der 70-jährige sei aber nur bereit, den Posten zu übernehmen, wenn ihn die Mehrheit des Aufsichtsrates wolle, meldet das Nachrichtenmagazin. Aufsichtsratschef Manfred Schneider will sich mit nun 76 Jahren langsam zurückziehen.

(rky)
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