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Ronald Pofallas Umweg in den Vorstand

Von der Politik in die Wirtschaft : Ronald Pofallas Umweg in den Bahn-Vorstand

Der Ex-Kanzleramtsminister soll in zwei Stufen in den Vorstand der Bahn vorrücken: Erst wird er Abteilungsleiter, dann Vorstand eines Sammelressorts. Dafür soll der Aufsichtsrat morgen dem Umbau des Vorstandes zustimmen.

Bahn-Chef Rüdiger Grube will dem Aufsichtsrat bei der morgigen Sitzung eine neue Struktur für den Vorstand vorschlagen. Die neue Aufgabenverteilung soll indirekt auch den Einzug von Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) in das Führungsgremium vorbereiten. Die Personalie Pofalla will Grube morgen aber nicht thematisieren.

Wie unsere Redaktion aus Kreisen des Vorstandes erfuhr, will Grube das Vorstandsressort "Compliance, Datenschutz, Recht und Konzernsicherheit" von Gerd Becht (62) perspektivisch um die Aufgabe "Regierungskontakte" erweitern. Der Vertrag mit Becht läuft 2017 aus — spätestens dann wäre der Weg für Pofallas frei. Ein Bahnsprecher wollte sich dazu nicht äußern. Wie unsere Zeitung weiter erfuhr, wird Pofalla aber schon im Januar als Cheflobbyist für die Bahn die Kontakte zur Politik betreuen. Er soll den Abteilungsleiter für Wirtschaft, Politik und Regulierung, Georg Brunnhuber (66) ablösen, der zum Jahreswechsel dann in den Ruhestand geht.

Pofallas Fall löste Empörung

Mit diesem Vorgehen würde der Ex-Kanzleramtsminister den Forderungen nach einer längeren Pause vor einem Wechsel in die Wirtschaft entsprechen. Als Ende 2013 Grubes Plan für einen schnellen Wechsel Pofallas zur Bahn durchsickerten, löste der Vorgang bundesweite Empörung aus. Auch Aufsichtsräte fühlten sich überfahren. Der Neuzuschnitt von Vorstandsaufgaben sei Aufgabe des Aufsichtsrates und nicht des Vorstandes, hieß es. Außerdem lehnte Bahn-Vizeaufsichtsratschef Alexander Kirchner die Erweiterung des Vorstandes um einen neuen Posten für Pofalla ab.

Dem trägt Grube morgen Rechnung. Indem er jetzt das "Compliance"-Ressort um die Aufgabe "Regierungskontakte" nur erweitern will, vermeidet er die Aufstockung des Gremiums. Zugleich schneidet er ein Vorstandsressort so präzise auf Pofalla zu, dass bei der Besetzung an ihm kaum noch ein Weg vorbeiführen wird. Auf der Aufsichtsratssitzung wird Grube Insidern zufolge wie folgt argumentieren: Die Bahn ist als Staatsunternehmen extrem abhängig von politischen Entscheidungen. Daher sind gute Regierungskontakte für den Konzern lebenswichtig.

Bahn bekommt eigene "Task Force"

Die oberste Politikerebene spricht aber nicht gerne mit Abteilungsleitern. Sie erwartet als Gesprächspartner mindestens einen Vorstand. Deshalb muss die Aufgabe dort angesiedelt werden. Umgekehrt kann auch die Aufgabe "Compliance" (rechtschaffene Unternehmensführung) nicht vom Vorstand nach unten delegieren, weil das einen Bedeutungsverlust dieser Aufgabe signalisieren würde. Das Compliance-Ressort hatte Grube erst 2009 neu geschaffen, nachdem ein großer Teil der alten Bahn-Führungsriege inklusive des damaligen Bahn-Chefs Hartmut Mehdorn den Konzern wegen einer Datenaffäre verlassen musste.

Während erwartet wird, dass der Aufsichtsrat dieser Argumentation folgt, muss Grube sich aber auf Kritik wegen des Geschäftsergebnisses einstellen. Laut "Süddeutscher Zeitung" ging das Betriebsergebnis (vor Zinsen und Steuern nach 2,7 Milliarden Euro im Vorjahr auf 2,2 Milliarden Euro zurück. Angeblich wird der Aufsichtsrat deshalb eine eigentlich schon verabredete Anhebung von Grubes Fixgehalt um 20 Prozent zur Diskussion stellen. Wegen des Gewinneinbruchs verdiente Grube im vergangenen Jahr mit 1,66 Millionen Euro eine Million weniger als im Vorjahr.

Wie ein Bahn-Sprecher bestätigte, wird der Konzern künftig mit einer hauseigenen "Task Force" schneller Geld von Kartellsündern eintreiben. "Wir sind im Schnitt Opfer jedes dritten nachgewiesenen Kartells", sagte der Sprecher, "unser Schaden betrug allein in den vergangenen sieben Jahren rund eine Milliarde Euro". Eine sechsköpfige Spezialeinheit aus Juristen werde bei jedem bekanntgewordenen Kartell künftig sofort prüfen, welche Volumen die Bahn von den Tätern eingekauft hat. Aktuell klagt die Bahn gegen Stahlunternehmen und Kaffeelieferanten. Dem Sprecher zufolge wird derzeit auch eine Klage wegen eines aufgeflogenen Bierkartells geprüft.

(tor)