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Rewe testet jetzt Supermarkt ohne Kasse

Pilotprojekt mit Mitarbeitern : Rewe testet jetzt Supermarkt ohne Kasse

Der Kölner Handelskonzern beschreitet neue Wege, wie sie Amazon in den USA und Großbritannien vorgezeichnet hat. Über eine app, über die auch die Rechnung kommt, melden sich Kunden vor Ort zum Einkauf an und ab.

Einkaufen ja, Bezahlen nein – das wär’s doch, oder? Beim Kölner Handelskonzern Rewe könnte dies im nächsten Jahr Wirklichkeit werden. Aber natürlich funktioniert der Einkauf nicht wirklich ohne Bezahlung, sondern die wird erstens nur verschoben und erfolgt nicht direkt im Markt. Und zweitens wird dieses Verfahren zunächst nur in einem Modellmarkt in der Domstadt und auch nur für Mitarbeiter und deren Angehörige erprobt. Ab August/September könnte es dann bei erfolgreichem Verlauf auch für die Kunden dieses Marktes getestet und im kommenden Jahr dann auf andere Märkte übertragen werden, wie ein Rewe-Sprecher am Freitag unserer Redaktion sagte.

 Funktionieren soll es folgendermaßen: Die Kundschaft nimmt die Ware aus dem Regal, legt die Produkte in den Einkaufswagen und verlässt das Geschäft wieder. Die eingekauften Artikel werden auf dem Weg durch Kameras und Sensoren erfasst, die Berechnung erfolgt automatisch, sobald die Kunden den Laden verlassen. Dafür müssen sie vorher eine App aufs Smartphone laden, mit der sie sich an- und abmelden und die dazu dient, dass das System die Einkäufe der ID zuordnet, die mit der Anmeldung verbunden ist. Über diese App würde dann später die Rechnung zugeschickt, und auch mögliche Reklamationen könnten über die App bearbeitet werden.

In Deutschland kommt das Verfahren damit erstmals zum Einsatz. Erfunden hat’s – wie könnte es anders sein? – der US-Konzern Amazon, der vor drei Jahren die „Amazon Go“-Supermärkte an den Start brachte. Der erste Markt dieser Art wurde im Dezember 2016 in Seattle eröffnet – und mehr als ein Jahr später für die Öffentlichkeit. Das Ganze würde natürlich auch den Handelskonzernen dabei helfen, durch den Wegfall von Kassen Personalkosten zu sparen. Relativ gängig sind in Deutschland bereits Selbstbedienungskassen, an denen Kunden ihre Waren selbst einscannen und bezahlen und an denen Mitarbeiter bei Problemen noch helfen. 

Mögliche Bedenken von Datenschützern versucht Rewe schon vorab auszuräumen. Der Konzern betont, dass bei dem neuen Verfahren Kundinnen und Kunden auf den für den Einkauf erfassten Bildaufnahmen nicht persönlich zu erkennen seien. Bei Amazon hieß es wegen der Einwände von Datenschützern früher, die Kundendaten würden nur 30 Tage lang mit dem jeweiligen Amazon-Konto verknüpft, über das der Kunde die Ware bezahle. Was mit den Daten der Kunden danach passiert, bleibt aber offen.