Würzburg: Rentenkasse sorgt sich wegen Frührentnern

Würzburg : Rentenkasse sorgt sich wegen Frührentnern

Immer häufiger müssen Beschäftigte wegen psychischer Probleme eine Erwerbsminderungsrente beantragen.

Die häufigste Ursache für ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben wegen Erwerbsminderung sind psychische Probleme. 41 Prozent aller Arbeitnehmer, die im vergangenen Jahr in Erwerbsminderungsrente gegangen sind, leiden daran, wie Axel Reimann, Direktor der Deutschen Rentenversicherung erklärte. Insgesamt gingen im vergangenen Jahr 180 000 Menschen in Erwerbsminderungsrente. Das heißt, jeder fünfte Neurentner ist in den Ruhestand gegangen, weil er aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr arbeiten kann.

Für diese Personen wendet die Rentenversicherung jährlich insgesamt 14,7 Milliarden Euro auf. Weitere Diagnosen wie Muskel- und Skeletterkrankungen sind nur zu rund 14 Prozent Anlass für ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben. Der Anteil derjenigen, die wegen Krebs vor Erreichen der Regelaltersgrenze aus dem Job ausscheiden, beträgt rund 13 Prozent. "Wir stellen fest, dass sich die Krankheitsbilder deutlich verändert haben sowohl bei der Erwerbsminderungsrente wie auch bei der Reha.

" Die Zahl der Erwerbsgeminderten aufgrund psychischer Probleme ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Während sie zwischen 1995 und 2007 nach Zahlen der Rentenversicherung jährlich zwischen 50 000 und 55 000 lag, verzeichnen die Statistiker seit 2008 einen deutlichen Anstieg. 2011 waren es insgesamt 73 000. Alexander Gunkel, Arbeitgebervertreter im Vorstand der Rentenversicherung, verwies auf eine Studie der OECD, wonach die Zahl der gestiegenen Fälle nicht unbedingt auch auf eine gestiegene Zahl von Kranken verweise.

"Nicht die Zahl der Erkrankungen, sondern die Zahl der Diagnosen ist gestiegen", sagte Gunkel. Von einer Erwerbsminderungsrente können die Ruheständler normalerweise nicht leben. Sie liegt im Durchschnitt bei rund 600 Euro. Etwa ein Viertel aller Haushalte, in denen Erwerbsminderungsrentner leben, beziehen zusätzlich Sozialleistungen. Die durchschnittliche Höhe der Erwerbsminderungsrente ist in den vergangenen Jahren gesunken, da auch immer mehr Frauen diese Leistung in Anspruch nehmen.

Wegen ihrer niedrigeren Löhne sind dann auch ihre Bezüge entsprechend niedriger. Zudem ist der Anteil der Erwerbsminderungsrentner gestiegen, die zuvor länger oder mehrfach arbeitslos waren.

(RP)
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