1. Wirtschaft

Vorschlag für 2015: Renten könnten um bis zu zwei Prozent steigen

Vorschlag für 2015 : Renten könnten um bis zu zwei Prozent steigen

Die gut 20 Millionen Rentner können auf eine Rentenerhöhung im kommenden Jahr hoffen. Die Renten könnten um ein bis zwei Prozent in West- und Ostdeutschland steigen, wie die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Bund, Annelie Buntenbach, am Dienstag in Würzburg sagte. Damit dürfte die Rentenanpassung über der aktuellen Inflationsrate liegen.

Sicherheit gebe es aber erst im Frühjahr kommenden Jahres. Dann lägen alle relevanten Daten vor. Zuletzt hatten die Rentner zum 1. Juli mehr Geld bekommen. Im Osten Deutschlands stiegen die Renten um 2,53 Prozent, im Westen um 1,67 Prozent.

Der Beitragssatz zur Rentenversicherung dürfte Anfang 2015 von derzeit 18,9 auf 18,7 Prozent vom Einkommen sinken. In dieser Größenordnung bewegt sich der Spielraum zur Senkung. Die Bundesregierung hatte eine entsprechende Senkung bereits angekündigt.
Die Absenkung um 0,2 Prozentpunkte bringt eine Entlastung um rund zwei Milliarden Euro, die sich gleichermaßen auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer verteilt. Bezogen auf einen Durchschnittsverdiener sei das eine Entlastung um 35 Euro pro Jahr.

Außerdem haben rund 163.000 Menschen bis Ende Oktober die neue abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren beantragt, wie Buntenbach weiter mitteilte. Die Kosten dafür betragen in diesem Jahr voraussichtlich knapp 1,5 Milliarden Euro. Die abschlagsfreie Rente ab 63 für langjährige Beitragszahler war zentraler Bestandteil des schwarz-roten Rentenpakets.

Gegen wachsende Altersarmut hatte zuvor der Paritätische Gesamtverband eine Anhebung des Rentenniveaus auf mindestens 50 Prozent des Durchschnittseinkommens gefordert. "Seit Jahren gilt die Strategie, den Beitragssatz auf jeden Fall stabil zu halten", sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider, der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. "Diese Strategie hat versagt."

Schneider sagte dennoch: "Im Moment laufen wir auf eine Lawine der Altersarmut zu." Zunehmend kämen Langzeitarbeitslose ins Rentenalter. Zudem sinke das Rentenniveau - also das Verhältnis von Rente zum Durchschnittseinkommen - bis 2030 politisch gewollt auf 43 Prozent. "Zum Beispiel Erzieherinnen oder Pflegekräfte haben keine Chance, 2020 eine Rente zu bekommen, die über der Grundsicherung liegt", kritisierte Schneider.

Rot-Grün wollte 2002 mit der Festlegung, das Rentenniveau zu senken, das Verhältnis von immer weniger Beitragszahlern zu immer mehr Alten berücksichtigen - und die Auswirkungen gleichmäßiger auf Jung und Alt verteilen.

"Wir brauchen eine Abkehr von der Politik der Beitragssatzstabilität hin zu einer Politik der Absicherung des Lebensstandards", forderte Schneider. Die Bundesregierung will den Rentenbeitragssatz zum Januar voraussichtlich um 0,2 Prozentpunkte auf 18,7 Prozent senken. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in einer Beitragssenkung auch ein Signal gegen die Konjunkturabschwächung, wie sie vor Spitzenvertretern der Wirtschaft betont hatte.

Schneider hielt dem entgegen. "Die deutsche Wirtschaft ist im europäischen Vergleich sehr gut aufgestellt." Die Steuerquote und die Sozialabgaben seien moderat.

Voraussichtlich dürfte es für die Rentner auch 2015 eine Rentenerhöhung geben - wenn auch nur eine geringe. Die Erhöhung fällt durch einen statistischen Einmaleffekt um etwa einen Prozentpunkt geringer aus als ohne diesen Effekt. Die Aufnahme bestimmter Beschäftigter im Niedriglohnbereich in die Lohnstatistik durch das Statistische Bundesamt drückt auf die für die Rentenerhöhung zentralen Gehälter.

Hier geht es zur Infostrecke: Ist Ihr Rentenbescheid korrekt?

(dpa)