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Düsseldorf: Rendite auf vier Rädern

Düsseldorf : Rendite auf vier Rädern

Hohe Erlöse bei Auktionen und Wertsteigerungen - Oldtimer können ein lohnendes Investment sein.

Oldtimer haben in den vergangenen Jahren als Renditeobjekt einen ungeahnten Aufschwung erfahren. Hohe Auktionserlöse und stetig steigende Preise haben die Anzahl der potenziellen Anleger in die Höhe schnellen lassen. Das Geschäft mit historischen Autos birgt aber auch einige Fallstricke. Experten betrachten Autos deshalb vor allem als Renditeobjekte für Spezialisten.

So war im Jahr 2011 eine gut gepflegte Ente nach Angaben des Oldtimer-Informationsdienstes Classic Tax etwa 8000 Euro wert. 1995 hätte man das gleiche Gefährt noch für etwa 4000 DM bekommen. Das macht eine satte Wertsteigerung von 300 Prozent innerhalb von 16 Jahren. Das ist so, als hätte man über diesen Zeitraum jedes Jahr bei seiner Bank neun Prozent Zinsen auf sein Erspartes bekommen. 2014 mussten Käufer für das gute Stück sogar schon 10.000 Euro hinblättern - ein Traum für Anleger in Niedrigzins-Zeiten, so scheint es. Tatsächlich sind solche Zahlenspiele aber mit Vorsicht zu genießen.

"Vor allem bei jungen Klassikern wie der Ente oder dem VW Bus sprechen wir eigentlich nicht von klassischen Renditeobjekten", sagt Marius Brune, Geschäftsführer der Marktbeobachtungsgesellschaft Classic Data. "Bei Fahrzeugen mit Marktwerten von unter 50.000 Euro sind die laufenden Kosten so hoch, dass sie die Rendite auffressen." So seien, um den Wert der Fahrzeuge zu erhalten, unter anderem ein Garagenstellplatz und regelmäßige Wartung erforderlich. Hinzu kämen Kosten für diverse Versicherungen - Oldtimer sind für Autodiebe traditionell besonders interessant - und die für historische Fahrzeuge einheitliche Kfz-Steuer. Wirklich lohnenswert sei daher eigentlich nur die Anschaffung von Spitzenfahrzeugen wie dem Mercedes 300 SL oder historischen Mittelklassemodellen wie dem Citroën DS, für die auf Auktionen mehrere hunderttausend Euro bezahlt werden.

"Das ist aber kein Geschäft für Laien", warnt Brune. "Interessante Investments fangen schon beim Einkauf an." Man müsse sorgsam darauf achten, wofür man sein Geld ausgebe. Nicht jeder Mercedes oder Ferrari aus den 50er Jahren sei gleich eine Million Euro wert. "Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Neben Modell, Baureihe, Zustand und Stückzahl sind in letzter Zeit vor allem die Historie und die Originalität der Fahrzeuge immer wichtiger geworden." Ein Oldtimer in etwas schlechterem Zustand, der über mehr Originalteile verfüge, könne heute unter Umständen deutlich mehr Wert sein als ein besser erhaltenes Modell, an dem über die Jahre viel verändert wurde. Wer sich nicht gut auskenne oder schlecht beraten werde, könne damit leicht auf die Nase fallen.

Überhaupt habe sich der Markt nach den Rekordjahren 2013 und 2014 im vergangenen Jahr wieder etwas beruhigt. "Wir beobachten, dass die die Preise sich langsam wieder einpendeln", erklärt der Spezialist. "Wir sehen eine Konsolidierung auf hohem Niveau." Bei den Oldtimerbesitzern habe sich in der zurückliegenden Dekade ein Generationenwechsel vollzogen. "Es sind viele neue Gutverdiener hinzugekommen, die Spitzenpreise für ausgewählte Klassiker bezahlt haben." Die seien jetzt aber zu einem guten Teil versorgt. "Deshalb rechnen wir für die nächste Zeit eher mit einer weiteren Beruhigung."

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Wer nur auf Rendite aus sei, für den sei das Geschäft mit historischen Autos ein schwieriges. "Gute Pflege ist das A und O", erklärt Brune. "Wer mit seinem Oldtimer Geld verdienen will, muss auch ein Stück weit ein Liebhaber sein." Anders gehe es nicht. "Investments in Autos können sich aber lohnen. Voraussetzung ist, dass man weiß, was man tut."

(th)