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Düsseldorf: Recht: Verspätete Urlauber müssen Chef informieren

Düsseldorf : Recht: Verspätete Urlauber müssen Chef informieren

Der Urlaub ist vorbei – eigentlich. Doch was passiert, wenn der Reiseveranstalter pleite ist und der Arbeitnehmer deshalb nicht pünktlich aus dem Urlaub zurückkehren kann? Jüngstes Beispiel ist die Pleite des Düsseldorfer Reiseunternehmens GTI, das zu Beginn der Woche bekannte, zahlungsunfähig zu sein. Nach den Reiserichtlinien der EU sind Reiseveranstalter dazu verpflichtet, die Pauschalurlauber nach Hause zu bringen – auch wenn sie den Transport an Fluglinien vergeben haben, die nicht zum eigenen Konzern gehören.

Sie schließen eine Insolvenzversicherung ab. Die Regelung gilt aber nicht für Individualreisende – sie müssen ihre Rückreise selbst organisieren. Die verspätete Rückkehr im Büro ist aber kein Kündigungsgrund. "Wenn die Pleite des Veranstalters nicht vorhersehbar war, kann man dem Arbeitnehmer nichts vorwerfen", sagt Stefan Haas, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Düsseldorf. Den Chef sofort über die Verspätung zu informieren, ist allerdings Pflicht – möglichst persönlich am Telefon.

Haas empfiehlt, auch schriftlich, zum Beispiel per Fax, Bescheid zu geben, um später alles dokumentieren zu können. Gehalt steht dem Arbeitnehmer während des unfreiwilligen Urlaubs nicht zu. "Wer keine Arbeit verrichtet, erbringt keine Leistung und hat keinen Anspruch auf Bezahlung", sagt Haas. Handelt es sich nur um eine geringe Verspätung, ließen einige Chefs aber mit sich reden. Möglich sei auch, für die Fehlzeit zusätzliche Urlaubstage zu nehmen. "Sich selbst zu beurlauben, geht aber nicht", warnt der Jurist.

Der Arbeitnehmer müsse auch das mit seinem Chef absprechen. Anspruch auf Schadenersatz haben die Urlauber, die über GTI ihre Reisen gebucht haben, nicht. Können sie nicht wie geplant zurückreisen und verpassen so einen wichtigen Geschäftstermin, gehen sie leer aus, sagt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam.

(kju)