„Weiterer Tiefschlag gegen Reisende in NRW“ RRX-Züge fahren Düsseldorf seltener an

Düsseldorf · Wegen Lokführermangel streicht National Express einfach eine wichtige Teilstrecke beim RE 11. Fahrgäste, VRR und Landesregierung reagieren alles andere als begeistert. Gerade der RE 1 wird jetzt wohl noch voller.

 Ein RRX Zug fährt steht im Hauptbahnhof Düsseldorf. Die Strecke, die nun verkleinert wird, wurde früher von Abellio betrieben.

Ein RRX Zug fährt steht im Hauptbahnhof Düsseldorf. Die Strecke, die nun verkleinert wird, wurde früher von Abellio betrieben.

Foto: dpa/Marius Becker

Mit Streiks und Zugausfällen hat die Deutsche Bahn in diesen Monaten bereits massenhaft für schlechte Schlagzeilen gesorgt, jetzt zieht der Wettbewerber National Express nach. Das Unternehmen hat entschieden, den Regionalexpress RE 11 ab dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember nicht mehr in Düsseldorf losfahren zu lassen. Stattdessen starten die Züge bis voraussichtlich 5. Mai erst in Hamm zum Zielpunkt Kassel. Hauptergebnis ist, dass auf der wichtigen Rennstrecke zwischen Düsseldorf, Mülheim, Essen und Dortmund jede Stunde ein RE weniger fährt. Dies geschehe zur „Stabilisierung des Fahrplanes“, erklärt National Express. Gemeint ist offensichtlich, dass zu wenige Lokführer zur Verfügung stehen für den Betrieb, also fällt nun einfach ungefähr die Hälfte der Strecke ganz weg.

Der Fahrgästeverband Pro Bahn, der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und auch das NRW-Verkehrsministerium sind genervt. „Das ist weiterer Tiefschlag gegen die Reisenden in NRW“ meint Wolfgang Neuß, Bundesvorsitzender von Pro Bahn. „Der Mangel an qualifiziertem Personal und ein hoher Krankenstand bei Triebfahrzeugführer*innen wirken sich negativ auf die Betriebsqualität im Regionalverkehr aus“, sagt ein VRR-Sprecher. Man dränge alle Unternehmen des Schienenpersonalvekehrs, „die Situation im Interesse der Fahrgäste zu verbessern“. Das NRW-Verkehrsministerium erklärt, es sähe sich zwar darin bestätigt, ein neues Programm zur Ausbildung von Lokführerinnen und Lokführern zu unterstützen, doch die Leistungsverweigerung von National Express wird kritisch gesehen: „Vorausschauende Personaldisposition ist weiterhin Aufgabe der Unternehmen“, sagt ein Sprecher von Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne).

National Express weist die Fahrgäste darauf hin, sie sollten als Ersatz zwischen Düsseldorf und Hamm mit dem RE 1 oder dem RE 6 fahren, die jeweils aus Köln kommen. Allerdings hat speziell der in Aachen startende RE 1 häufig Verspätungen und ist immer wieder sehr stark belastet, insgesamt nimmt die Zahl der Verbindungen deutlich ab.

Bedauerlich für die Passagiere ist, dass sie trotz Wegfalles des RE 11 zwischen Düsseldorf und Hamm nicht auf ICE-Züge wechseln dürfen. Ein gewisses Verständnis für diese Entscheidung hat Experte Neuß: „Gerade zu den Hauptverkehrszeiten sind die ICE von Düsseldorf aus oft so ausgelastet, dass sie nur wenig Platz für weitere Fahrgäste haben“, sagt er. Darum könne er verstehen, wenn die Fernzüge nicht für regionale Pendler freigegeben werden. Dabei weist National Express darauf hin, dass zwischen Düsseldorf und Dortmund auch noch der RE 3 unterwegs sei, aber der hält nicht einmal in Essen-Hauptbahnhof, sondern auf dem Nebenbahnhof Essen-Altenessen.

Was passiert nun? Gemäß den Verträgen muss National Express wohl Strafzahlungen leisten, weil ein Teil der Leistungen nicht erbracht wird. Dabei hat National Express den Betrieb des RE 11 und des RE 1 erst im Februar 2022 übernommen, nachdem der Konkurrent Abellio wegen anhaltender Verluste aufgeben musste. Seitdem verantwortet National Express in NRW sieben Linien für Regionalzüge, auf denen pro Jahr 20 Millionen Betriebskilometer gefahren werden sollen. Auf der Internetseite erklärt das Unternehmen: „Mit den insgesamt sieben Linien verbindet National Express schnell, bequem und zuverlässig die Metropolen Nordrhein-Westfalens.“

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