"Rauswurf Athens ist unmöglich"

"Rauswurf Athens ist unmöglich"

Interview Der Europaabgeordnete Elmar Brok zur Zukunft Griechenlands

Ist die Pleite Griechenlands noch abwendbar?

Brok Wenn Spitzenpolitiker wie Minister Rösler und Co. die Insolvenz weiter herbeireden, wird dies zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Klar ist: Die Pleite Athens ist die für Deutschland schlimmste und teuerste Lösung. Deshalb müssen wir alles unternehmen, sie noch abzuwenden. Es geht um viel mehr als Griechenland. Europa verspielt seine Bedeutung im weltweiten Machtkampf zwischen China und den USA, wenn es die Probleme von zwei Prozent seines Wirtschaftsraums nicht in den Griff bekommt.

Wie?

Brok Indem Athen sich gegenüber der Troika aus EU, EZB und IWF verpflichtet, beim Sparen und den Strukturreformen wie der Privatisierung endlich ernst zu machen.

Und wenn nicht?

Brok Dann gibt es die nächste Tranche Hilfsmilliarden nicht mehr und Athen wäre im Oktober pleite. Griechenland müsste seinen Beitrag leisten. Alle müssen sich an die Regel, die Deutschland zuerst gebrochen hat, halten.

Die Bundesregierung plant offenbar für den schlimmsten Fall die Pleite...

Brok Das Finanzministerium muss intern einen Plan B haben. Aber ich warne vor falschen Vorstellungen: die geordnete Insolvenz eines Staates innerhalb der Euro-Zone ist nach den bisherigen internationalen Regeln nicht möglich. Einen geordneten Schuldenschnitt mit 50 Prozent Forderungsverzicht könnte es nur geben, wenn alle Gläubiger freiwillig mitmachen, was unrealistisch ist. Die ungeordnete Staatspleite mit einem Totalausfall der Forderungen hätte aber unkalkulierbare Folgen.

Sollte Athen aus der Euro-Zone rausgeworfen werden?

Brok Das ist eine populistische Forderung. Nach dem Vertrag von Lissabon ist ein Rauswurf aus EU und Euro unmöglich – allenfalls ein freiwilliger Austritt aus der Europäischen Union ist vorgesehen. Warum sollte Athen das tun? Wenn die Griechen die Drachme wieder einführen, haben sie keine Chance wieder wirtschaftlich auf die Beine zu kommen.

Anja Ingenrieth führte das Gespräch.

(RP)