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Neuer Plan zur Rettung des Industriekonzerns: RAG soll ThyssenKrupp Geld leihen

Neuer Plan zur Rettung des Industriekonzerns : RAG soll ThyssenKrupp Geld leihen

Der Widerstand gegen einen Einstieg der RAG-Stiftung beim angeschlagenen Industriekonzern ThyssenKrupp wächst. "Wir halten es rechtlich für nicht möglich, dass die RAG-Stiftung bei ThyssenKrupp einsteigt", sagte der Generalsekretär der NRW-CDU, Oliver Wittke am Donnerstag.

Er beruft sich auf die Satzung der RAG-Stiftung. Dort wird der Stiftung vorgeschrieben, ihr Vermögen "so anzulegen, dass möglichst große Sicherheit und Rentabilität" erreicht wird. Wittke: "Ein Einstieg bei ThyssenKrupp wäre keine sichere Geldanlage. Damit würde die RAG-Stiftung das Geld aufs Spiel setzen, das sie für ihre eigentliche Aufgabe braucht: die Finanzierung der Bergbau-Ewigkeitslasten." Eine Sprecherin der RAG-Stiftung hatte sich am Vortag gegenteilig geäußert: "Die Satzung der RAG-Stiftung würde eine Beteiligung grundsätzlich zulassen."

Es wird erwartet, dass ThyssenKrupp sich wegen der angeschlagenen Finanzlage in Kürze frisches Geld besorgen muss. Konzernchef Heinrich Hiesinger schließt eine Kapitalerhöhung nicht aus. Dabei könnte die Krupp-Stiftung als größter Einzelaktionär ihre Funktion als Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme verlieren.

In der RAG-Stiftung selbst gibt es Bedenken gegen einen direkten Einstieg bei ThyssenKrupp. In mit dem Vorgang vertrauten Kreisen der Landesregierung heißt es, die Stiftung bereite sich deshalb auf ein anderes Szenario vor. Sollte die Krupp-Stiftung oder der Konzern die RAG-Stiftung um Hilfe bitten, könne unter Umständen ein millionenschweres Darlehen gewährt werden. Als Sicherheit könnte die Krupp-Stiftung bei diesem Modell Teile ihres ThyssenKrupp-Paketes verpfänden.

Die Krupp-Stiftung hält 25,3 Prozent an ThyssenKrupp. Offen ist, ob dieses Modell eine Kapitalerhöhung bei ThyssenKrupp ersetzen oder ergänzen soll: So könnte die Krupp-Stiftung mit dem geliehenen RAG-Stiftungsgeld bei einer Kapitalerhöhung so viele Aktien zukaufen, wie zum Erhalt ihrer Machtposition bei ThyssenKrupp notwendig ist. Die neuen Aktien könnten gleichzeitig das Pfand für die RAG-Stiftung darstellen. Welche dieser Modell-Varianten ("Darlehen plus Kapitalerhöhung" oder "Darlehen statt Kapitalerhöhung") zum Tragen kommt, dürfte auch von dem Kapitalbedarf bei ThyssenKrupp abhängen. Der ist aber erst bekannt, wenn der Konzern seine Problemsparte in Übersee verkauft hat und weiß, wie viel Geld er bei diesem Abenteuer unter dem Strich verbrannt hat.

(RP)