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Quandts jetzt reicher als Aldi-Eigner

Hamburg : Quandts jetzt reicher als Aldi-Eigner

Zehn Jahre lang führten die Albrechts die Liste der reichsten deutschen Familien an. Nun haben die Großaktionäre von BMW sie abgelöst. Der Samwer-Brüder springen auf Platz 29.

Die Reichen werde immer reicher. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Vermögen der reichsten hundert Deutschen um 19 Prozent auf 400 Milliarden Euro zugelegt, wie das "Manager Magazin" in seiner jährlichen Studie ermittelt hat. Ursache ist die gute Entwicklung an der Börse und den Immobilienmärkten. Entsprechend sind auch die Beteiligungen der Superreichen wertvoller geworden. Davon konnte vor allem die Familie Quandt profitieren. Mit einem Vermögen von 31 Milliarden Euro stehen die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten sowie ihre Mutter Johanna erstmals auf Platz eins des Rankings und haben hier die Familie Karl Albrecht verdrängt.

Die Quandts besitzen 46,7 Prozent am Autobauer BMW, dazu den in Wesel sitzenden Chemiekonzern Altana sowie Anteile an dem Autozulieferer SGL Carbon und am Windanlagen-Bauer Nordex. Allein die BMW-Aktie legte von September 2013 bis September 2014 um 15 Prozent zu.

Für die Eigentümer der Aldi-Märkte ging es dagegen nach unten. Zehn Jahre lang hatte die Familie von Karl Albrecht, die über die Kette Aldi Süd herrscht, das Ranking angeführt. Im Juli 2014 starb Karl Albrecht, mit einem Vermögen von 18,3 Milliarden Euro liegen seine Erben nun auf Platz zwei. Aldi ist nicht börsennotiert, das Vermögen liegt vor allem in Stiftungen. Die Familie von Theo Albrecht, der über Aldi Nord herrschte und 2011 gestorben ist, liegt mit einem Vermögen von 16,5 Milliarden Euro auf Platz 4.

Dazwischen findet sich die schillerndste Frau der deutschen Wirtschaft: Maria-Elisabeth Schaeffler, Eigentümerin des Autozulieferers Conti, und ihr Sohn Georg kommen auf 17,6 Milliarden Euro. Maria-Elisabeth Schaeffler hatte 2009 für Schlagzeilen gesorgt, als sie - gerührt vom Ruf ihrer Mitarbeiter nach Staatshilfe - bei einer Belegschaftsversammlung vor laufenden Kameras in Tränen ausbrach. Tipps für eine noch bessere Geldanlage kann sie womöglich von ihrem Ehemann bekommen: Schaeffler heiratete vor kurzem den früheren Industrie-Präsidenten Jürgen Thumann (beide 73).

Aufsteiger des Jahres sind die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer, die gerade die Start-up-Schmiede Rocket Internet und den Online-Versandhändler Zalando an die Börse gebracht haben. Die Brüder kommen auf ein Vermögen von 3,5 Milliarden Euro, vier Mal so viel wie vor einem Jahr, und landen auf Platz 29. Damit liegen sie weit vor alteingesessenen Reichen wie der Familie Riegel ("Haribo", 2,8 Milliarden Euro, Platz 44) oder Schmidt-Ruthenbeck (Metro, 2,3 Milliarden Euro, Platz 57). Ansonsten haben es digitale Newcomer in Deutschland schwer, richtig reich zu werden. Das ist in den USA anders.

Erstmals hat das Magazin die regionale Verteilung der Reichen untersucht. Danach wohnen die meisten Milliardäre im Großraum Düsseldorf. Auf Platz 65 liegt die Familie Mittelsten Scheid mit zwei Milliarden Euro, die sie unter anderem durch den Verkauf von Vorwerk-Staubsaugern und Thermomix-Haushaltsgeräten erworben hat. Auf Platz 65 liegt die Familie Heinrich Weiss, der der Stahlwerk-Bauer SMS gehört und die ein Vermögen von zwei Milliarden Euro ihr eigen nennt. Andere Metropolen für Milliardäre sind Hamburg, Mannheim, Stuttgart und München.

Ein Sportler hat es immerhin unter die Top 500 gebracht. Basketball-Superstar Dirk Nowitzki sprang im Ranking des "Manager Magazins" auf Platz 500 mit einem Vermögen von 200 Millionen Euro.

Daneben hat das Magazin ein Extra-Ranking reicher Clans erstellt. Hier liegen die Familien Brenninkmeijer ("C&A", 21,5 Milliarden Euro) und die Familie Henkel (Henkel, 20 Milliarden Euro) ganz vorn.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das sind die reichsten Deutschen 2014

(RP)