Die Zeitungslandschaft verändert sich: Print oder Online: guter Journalismus wird gebraucht

Die Zeitungslandschaft verändert sich : Print oder Online: guter Journalismus wird gebraucht

Die Mediennutzung mag sich ändern, das Medium vielleicht auch. Der Qualitätsjournalismus bleibt. Er wird künftig mehr denn je gebraucht. Das war die Botschaft einer munteren Diskussionsrunde zum Abschluss des zweitägigen Zeitungskongresses des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gestern in Berlin.

Über "Relevanz und Qualität im Journalismus" diskutierte Moderator Hans-Jürgen Jakobs, Wirtschaftschef der "Süddeutschen Zeitung", mit Chefredakteuren und Experten. Was ist Qualität im Journalismus, und wie lässt sie sich bei rasant verändertem Nutzerverhalten aufrechterhalten? In einer Sache waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig. Die Kriterien für guten Journalismus haben sich eigentlich nie verändert. Der Wahrheitsgehalt der Berichte, die Fähigkeit, komplexe Themen verständlich zu erklären, die bewegende Reportage und der investigative Bericht bleiben die Zutaten für guten Journalismus. Die neue Vielfalt bei der Verbreitung der Inhalte sei eine Chance für die Zeitungen, argumentierte Ernst Elitz, Professor für Medienmanagement und Gründungsintendant des Deutschlandradios. Die Verlage hätten durch das Internet "endlich die Chance" bei der Aktualität mit elektronischen Medien wie Radio und Fernsehen gleichzuziehen. Texte erfahrener und ausgebildeter Redakteure schon kurz nach den Ereignissen ließen Zeitungen im Internet zur Marke werden.

Ähnlich optimistisch blickte RP-Chefredakteur Sven Gösmann in die digitale Zukunft. "Wir erreichen heute mit der Zeitung ,Rheinische Post' und unserem Internetangebot RP Online vier Millionen Menschen. So viele wie nie", sagte Gösmann. Gerade die Regionalzeitungen, die bundesweit mehr als 20 Millionen Leser erreichen, könnten durch nachhaltigen Journalismus und die Nähe zu den Bürgern von dem Wandel profitieren. Es gehe stets darum, Themen zu erspähen, die von den großen Nachrichtenagenturen nicht verbreitet werden, aber relevant für die Leser seien, so Gösmann. "Die Geschichten müssen einen Nutzen haben." Auch deswegen sollten Zeitungen die Wünsche ihrer Kunden stärker abfragen. Die Aufteilung in Online- und Print-Journalisten hält Gösmann für falsch. "Es geht nur um Qualitätsjournalisten."

RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel ermunterte die Zeitungen, stärker auf große, ausgeruhte Reportagen zu setzen. "Geschichten, an die ich mich erinnern kann", so Kloeppel. Dies schafften andere Medien nur selten. Nikolaus Blome, stellvertretender Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, lenkte den Blick ebenfalls auf die gestiegene Reichweite für die journalistischen Inhalte, forderte die Verleger aber zugleich auf, ein Preissystem für Journalismus im Internet vorzulegen. Das Thema soll beim Zeitungskongress 2013 in Dresden ausführlicher behandelt werden. Fazit: Der Journalismus muss nicht neu erfunden werden. Vermarktungsideen allerdings schon.

(brö)
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