Interview: Wolfgang Krogmann: "Primark prüft regelmäßig die Fabriken"

Interview: Wolfgang Krogmann: "Primark prüft regelmäßig die Fabriken"

Der Deutschland-Chef der irischen Modekette spricht über die Produktionsbedingungen der Näherinnen in Asien, T-Shirts für 2,50 Euro, die Rolle des Betriebsrats und die Eröffnung der 15. Deutschlandfiliale in der kommenden Woche in Krefeld.

Primark tritt öffentlich trotz Kritik an den Produktionsbedingungen in Asien und dem Vorwurf des "Billigheimers" defensiv auf. Warum?

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Wolfgang Krogmann Primark wurde vor 45 Jahren von Arthur Ryan, einem irischen Manager im Auftrag unserer Muttergesellschaft ABF gegründet. Dahinter steht eine kanadisch-australische Familie. Auch wenn man es nach außen nicht merkt: Die Tradition als Familienunternehmen leben wir heute noch. Dass wir etwa Zahlen defensiv veröffentlichen, hängt auch damit zusammen, dass der Mutterkonzern ABF börsennotiert ist.

Nach Düsseldorf oder Gelsenkirchen eröffnen Sie in Krefeld jetzt ihre 15. Primark-Filiale - im Verhältnis zu anderen Textilern eine kleine Zahl.

Krogmann Weltweit haben wir 58.000 Mitarbeiter, 6300 in Deutschland. Wir wollen hier wachsen, aber nicht um jeden Preis. Wir brauchen ausreichend Fläche, und wir brauchen eine bestimmte Kundenfrequenz. Dies ist bei unseren jetzigen Standorten gegeben. Beliefert werden die Filialen in Deutschland, Österreich, Holland und Belgien übrigens von unserem Lager in Mönchengladbach.

Ihre Marke ist bei jungen Kunden beliebt. Welche Auswirkungen hat die Eröffnung der Primark-Filiale auf die Kundenfrequenz in Städten?

Krogmann Wir beleben die Innenstädte. In einer niederländischen Studie wurde dargelegt, dass insbesondere junge Käufer durch Primark in die Stadt gezogen werden. Wir reden vom "Store-Erlebnis", das wir den Kunden bieten wollen.

Primark kann man nicht online kaufen. Warum das nicht?

Krogmann Wir wissen, dass viele Kunden Online-Bestellung wünschen. Primark bietet das noch nicht an. Deshalb werden wir auf jeden Fall bei dem bleiben, was wir können. Primark wächst mit diesem Konzept weiter, demnächst eröffnen wir unser erstes Geschäft in den USA, in Boston. Die Stadt hat eine große irische Tradition.

Primark-Shirts kosten 2,50 Euro. Wie macht man solche Preise? Jemand muss Leidtragender sein.

Krogmann Der Verkaufspreis wird bedingt durch die Kostenstruktur, die ein Unternehmen hat. Andere haben vielleicht höhere Kosten für Werbung, komplexere Geschäftsstruktur, arbeiten über Zwischenhändler. Wir kaufen direkt beim Produzenten, arbeiten mit geringer Marge. Das Konzept ist, bei niedrigem Verkaufspreis viel Ware zu verkaufen. Wir haben das zwar nicht erfunden - aber haben es vielleicht perfektioniert. Vielmehr müsste man sich also fragen: Warum sind die anderen so teuer?

Kritiker wenden ein, dass die Leidtragenden die Näherinnen sind.

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Krogmann Wir als Primark prüfen regelmäßig die Produktionsbedingungen vor Ort. Die Fabriken, mit denen wir arbeiten, müssen hohe Auflagen erfüllen. Im Übrigen haben wir keine eigenen Fabriken dort, 97 Prozent der Fabriken arbeiten auch für Mitbewerber, die bekannten großen Textilunternehmen. Die Arbeiter sind also alle zu gleichen Bedingungen tätig und erhalten das gleiche Geld.

Trotz der Prüfungen ist in Bangladesh 2013 ein großes Unglück geschehen. Eine Fabrik stürzte ein, über 1000 Menschen starben.

Krogmann Wir waren die Ersten, die dort geholfen haben, weil wir direkt nachvollziehen konnten, dass wir in dieser Fabrik haben produzieren lassen. Wir haben uns für einen Entschädigungsfonds engagiert, die Familien der Opfer und die verletzten Mitarbeiter werden dadurch versorgt. Unsere Vorstände waren kurz nach dem Unglück vor Ort. Das war Hilfe, die weit über das hinausging, was andere gemacht haben.

Wenn die Kontrollen gegriffen hätten, hätte die Fabrik nie einstürzen dürfen.

Krogmann Bisher haben wir streng auf Pausenzeiten, Arbeitszeiten, Fluchtwege geachtet. Wir müssen die Gebäudesicherheit noch mehr im Blick haben, das ist eine der Erkenntnisse. Es hat viele Fortschritte gegeben seit dem vergangenen Jahr. Wir wollen die Bedingungen weiter verbessern.

Bei 2,50 Euro pro T-Shirt - wie viel Geld bleibt da für die Näherin in Bangladesh? Verdient sie besser als in anderen Branchen im Land?

Krogmann Das weiß ich nicht exakt, wichtiger ist für uns die Frage, dass die Mitarbeiter davon leben können und die Arbeitsbedingungen fair sind. Bangladesh war lange agrarisch geprägt, jetzt wird dort eine Textilindustrie aufgebaut. Vier Millionen Frauen arbeiten nun in der Textilindustrie. Es kann für uns keine Alternative sein, nicht in Bangladesh zu produzieren.

Die Erfahrung in Deutschland zeigt, dass Gewerkschaften hilfreich waren bei der Etablierung von Standards.

Krogmann Wir empfehlen unseren Produzenten in Asien, die Mitarbeiter bei der Gründung von Interessenvertretungen zu unterstützen. In Deutschland haben schon fünf von 15 Primarks einen Betriebsrat. Eine vernünftige Zahl, denke ich.

SEBASTIAN PETERS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP)
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