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Luftpost: Post testet Paketdrohne auf Nordsee-Insel Juist

Luftpost : Post testet Paketdrohne auf Nordsee-Insel Juist

Luftpost der etwas anderen Art gibt es an der Nordseeküste für die "Seehund"-Apotheke auf Juist: Im Liniendienst wird sie per Minidrohne mehrere Monate lang mit Medikamenten beliefert. Die Deutsche Post will den Einsatz unbemannter Fluggeräte im Alltag erproben.

Es ist eine Vision, wie es sie schon in mittelmäßigen Science-Fiction-Filmen der 1980er Jahre gab: Pakete und Waren aller Art werden von automatischen Flugrobotern durch die Gegend geflogen.

Auch heute ist das noch nicht möglich, die Deutsche Post hat mit ihrer Logistiksparte DHL aber einen ersten Schritt dahin getan. Von Freitag an beliefert eine automatische Flugdrohne im Linienbetrieb die Apotheke "Seehund" auf der Nordseeinsel Juist mit Medikamenten. Dafür legt das von der Post "Paketkopter" genannte Gerät zwölf Kilometer in einer Höhe von 50 Metern zurück, ohne dass sie per Hand gesteuert wird.

"Wir sind im Bereich der Drohnen der erste gewerbliche, nicht-militärische Anwender, der einen regulären Linienbetrieb unterhält", sagt Post-Vorstand Jürgen Gerdes. DHL sei sogar einen Schritt weiter als Amazon. Der Online-Händler hatte Tests für die USA angekündigt. Und Konkurrent Google hatte zuletzt im August in Australien bereits Zustell-Drohnen getestet.

Dabei ist ein unbemannter, vollautomatischer Flug in Deutschland eigentlich gar nicht erlaubt. Wer eine Drohne fernsteuert, muss ohne jegliche Hilfsgeräte wie Ferngläser auf Sicht fliegen. Die Paketdrohne der Post wird nur von einer Bodenstation aus beobachtet.

Möglich macht dies eine Ausnahme-Genehmigung des Bundesverkehrsministeriums. Die Behörde hat eigens für den "Paketkopter" ein Gebiet mit Flugbeschränkung eingerichtet - wenn die Drohne also unterwegs ist, darf kein anderer fliegen. Zwei Testflüge am 18. September und am Dienstag dieser Woche waren offenbar erfolgreich.

Die Genehmigung durch das Verkehrsministerium gilt zunächst bis März 2015. Überwacht wird die Testreihe von der Deutschen Flugsicherung (DFS), bei der jeder einzelne Flug einen Tag vor dem Start angemeldet werden muss. Das Institut für Flugsystemdynamik der RWTH Aachen begleitet den Feldversuch wissenschaftlich. 2015 dürften also Erkenntnisse darüber vorliegen, wie eine automatische Warenlieferung aus der Luft funktionieren kann. Und wann es sie geben kann.

Einerseits müssten dafür das Gesetz angepasst und automatische Flüge auch ohne Fernsteuerung erlaubt werden. Und andererseits müsste die Technik weiterentwickelt werden: Wie soll die Übergabe der bestellten Ware an die richtige Person funktionieren?

Im Umfeld der Deutschen Flugsicherung heißt es, das dürfte mindestens zehn Jahre dauern. Post-Vorstand Gerdes will keine Jahreszahl nennen, spricht aber von einer "sehr steilen Lernkurve": "Ich bin sicher, dass wir in wenigen Jahren Dinge erleben werden, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können."

Hier geht es zur Bilderstrecke: DHL testet den "Paketkopter"

(RP)