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Düsseldorf: Portigon macht 236 Millionen Euro Verlust

Düsseldorf : Portigon macht 236 Millionen Euro Verlust

Auch für das laufende Jahr rechnet die WestLB-Nachfolgerin wieder mit tiefroten Zahlen.

Knapp drei Jahre nach ihrem Start hat die WestLB-Nachfolgerin Portigon zwar die Hälfte ihres Anfangskapitals schon verbraucht. Aber Vorstandschef Kai Wilhelm Franzmeyer ist davon überzeugt, dass die verbliebenen zwei Milliarden Euro ausreichen, um die Altlasten der früheren Landesbank abzuarbeiten. Es bleibe das Ziel, ohne eine weitere Belastung für den Steuerzahler auszukommen, sagte Franzmeyer gestern bei der Bilanzvorlage. Die vier Milliarden Euro hatten nach dem Ende der WestLB 2012 das Land Nordrhein-Westfalen, die NRW-Sparkassenverbände und der Bund über den Rettungsfonds Soffin zur Verfügung gestellt.

Die Abwicklung dessen, was von der einst größten Landesbank übrig geblieben ist, verschlingt weiterhin viel Geld. Im abgelaufenen Jahr hat Portigon vor Steuern einen Verlust von rund 359 Millionen Euro gemacht, und Franzmeyer sagt schon jetzt, dass für das laufende Jahr erneut mit tiefroten Zahlen zu rechnen sei, und zwar in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe. Unter dem Strich beträgt das Minus für 2014 mehr als 236 Millionen Euro.

Immerhin ist der Verlust gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert worden. Dabei hat der Bank aber geholfen, dass sie anders als 2013 keine Pensionsrückstellungen für sogenannte Doppelverträgler mehr bilden musste, was sie seinerzeit etwa 580 Millionen Euro gekostet hatte. Diese Doppelverträgler arbeiteten früher für die WestLB, haben aber ein Rückkehrrecht zur landeseigenen NRW.Bank, die für diese Fälle die Pensionsansprüche erfüllen müsste und dafür dann die Portigon-Rückstellungen in Anspruch nehmen könnte. Auch die NRW.Bank ist aus der früheren Westdeutschen Landesbank hervorgegangen.

Was aus der Portigon AG selbst wird, ist zwar klar (sie wird bis Ende 2016 von heute 750 auf 140 Mitarbeiter verkleinert und erledigt dann nur noch Verwaltungsarbeiten). Aber dafür bleibt die Zukunft der Portigon Financial Services (PFS) offen. Die Portigon-Tochtergesellschaft, die Serviceleistungen für die WestLB-Abwicklungsbank EAA erbringt, muss nach dem Willen der EU-Kommission bis Ende des kommenden Jahres verkauft sein; andernfalls droht die Abwicklung. Franzmeyer hat gestern zwar bekräftigt, dass es weiterhin mehrere Interessenten für die PFS gibt, doch dass sich einer von ihnen tatsächlich als potenzieller Käufer herausschält, scheint derzeit nicht abzusehen. Denn die Portigon-Tochter hat als einzigen größeren Kunden weiterhin nur die EAA. Da bislang alle Versuche gescheitert sind, weitere Klientel in nennenswertem Ausmaß an Land zu ziehen, hält sich die Begeisterung bei möglichen Verhandlungspartnern vermutlich in Grenzen. Bliebe als Alternative, dass die PFS mit der EAA zusammengelegt wird. Dies wird schon seit geraumer Zeit diskutiert. Dazu sagt aber derzeit keiner etwas. Franzmeyer erklärte gestern wörtlich: "Die Privatisierung der PFS muss von den Trägern der EAA gefördert werden." Wie, ließ Franzmeyer erst mal offen.

Was den viel diskutierten Verkauf von Teilen der alten WestLB-Kunstsammlung angeht, rechnet der Vorstandsvorsitzende mit Einnahmen von mehr als 29 Millionen Euro für Portigon.

(RP)