Polizei geht in China gegen Lego-Fälscher vor

Lego-Raubkopien in China : Die Steinheiligen

Komplette Lego-Bausätze werden in chinesischen Fabriken in großem Stil kopiert, bis hin zur Verpackung. Nun geht die Polizei dagegen vor. Viele Fans des Original-Spielzeugs freut das, andere vermissen die billige Alternative – und mancher hält die Nachricht für Fake News.

Der Unterschied lag quasi im Kleingedruckten: Das größte Lego-Modell, ein "Star Wars"-Raumschiff mit mehr als 7500 Teilen, kostet eigentlich rund 800 Euro – doch wer damit leben kann, dass die Schriftzüge auf den Logos etwas anders lauten, bekam einen Klon des Modells schon für knapp 200 Euro, per Internet vom Hersteller Lepin aus China. Doch damit könnte es nun vorbei sein: Wie die chinesische Polizei am Freitag bekanntgab, gab es jüngst eine Razzia in drei Fabriken der „Longjun Toy Factory“, die hinter der Marke Lepin steht. Vier Verdächtige wurden festgenommen, zudem beschlagnahmten die Beamten mehr als 600.000 Bausätze im Wert von 27 Millionen Euro und dutzende Gussformen. Die Durchsuchung ist offenbar die Folge eines Rechtsstreits in China, den Lego gegen Lepin im November 2018 gewann.

Lepin gehört nicht zu den legitimen Wettbewerbern des dänischen Spielzeuggiganten. Das Bausteinsystem von Cobi (Polen) etwa ist zwar Lego-kompatibel, aber legal. Mega Bloks aus den USA produziert sogar Bausätze mit offiziellen Lizenzen von "Star Trek" sowie den Videospiel-Serien "Halo" und "Call of Duty" – ähnlich wie Lego etwa mit „Star Wars“, „Harry Potter“ und „Herr der Ringe“.

Lepin hingegen kopiert 1:1 von Lego-Designern erdachte Bausätze samt Anleitung und Verpackung und verletzt dabei augenscheinlich Urheberrechte. Das Ergebnis ist teils frech - bei Lepin heißen die Modell-Serien "Ninjasaga" statt "Ninjago" und "Star Plan" statt "Star Wars" -, teils auch unfreiwillig komisch: Die Kopien der Sets zum Kinofilm "The Lego Movie 2" etwa tragen den Schriftzug "The Lepin Bricks 2".

Das Echo auf die Nachricht ist geteilt: Diverse Baustein-Freunde outen sich ausdrücklich als Fans der Lepin-Produkte; diese seien qualitativ zwar minderwertig, aber eben auch für finanzschwache Kunden erschwinglich, etwa in Asien und Afrika. Lego hingegen sei "gierig" geworden. Tatsächlich ist die Gewinnmarge groß: 2018 machte der dänische Familienkonzern bei einem Umsatz von 4,9 Milliarden Euro rund 1,1 Milliarden Euro Gewinn.

Am meisten Beifall erhalten aber Beiträge wie folgender auf der Facebook-Seite des Lego-Blogs zusammengebaut.com: „Lizenzen, Gehälter, gute Arbeitsbedingen, Steuern, Qualitätssicherung, Support, Entwicklung und Werbung kosten einfach Geld. Lepin setzt sich einfach ins gemachte Nest. Außerdem gibt es da draußen genug andere legale Alternativen.“ Ein weiterer User scherzt: „Strafmaß: Lebenslänglich, barfuß in einer Zelle, ausgelegt mit (echten) Lego-Steinen.“ Andere bezweifeln, dass die Fotos der Razzia aus einer großen oder gar der einzigen Fabrik von Lepin stammen.

Wie groß der Schlag gegen die Produktpiraterie tatsächlich ist, bleibt vorerst offen. Nicht zufällig hätten Chinas Behörden die Meldung über das Vorgehen gegen Lepin am Welttag des Urheberrechts herausgegeben, mutmaßt Lukas Kurth im Blog stonewars.de. Vielmehr sei die Razzia möglichst öffentlichkeitswirksam inszeniert worden, um den Ruf des Produktionsstandorts China zu verbessern. Einer seiner Leser kommentiert: „Als ob in der gezeigten Produktionsstätte mit den gammeligen Gussformen auf den Fotos wirklich aktuelle hochwertige Klemmbausteine hergestellt würden.“ Vielmehr sei dort nur „ein wenig Schrott medienwirksam entsorgt“ worden; eine modernere Fabrik laufe „wahrscheinlich unter anderem Namen weiter auf Hochtouren“.

Lepin hat inzwischen einen Produktionsstopp ab dem 1. Mai verkündet. Dieser erfolge zwar auf Anweisung von Regierung und Polizei, sei aber nur „temporär“. Die Pressemitteilung erschien auf „Lepinland.com“ – nicht zu verwechseln mit „Legoland.com“, der offiziellen Seite der Freizeitparks.

Eine der durchsuchten Werkstätten. Foto: -/Foto: Polizei Guangdong
Konfisziert wurden Gussformen für die Plastikteile und... Foto: -/Foto: Polizei Guangdong
... Steine über Steine. Foto: -/Foto: Polizei Guangdong

Lego bestätigte auf Anfrage, man wisse von der Razzia und begrüße „die Bemühungen der chinesischen Regierung, Rechte an geistigem Eigentum zu schützen und ein besseres Umfeld für im Land tätige internationale Unternehmen zu schaffen“. Ein fairer Wettbewerb sei im Interesse des Konzerns wie auch der Kunden. "Wir werden jedoch immer die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass Verbraucher durch einen Missbrauch der Marke LEGO® und unserer weiteren Markenzeichen nicht in die Irre geführt werden."

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