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Berlin: Politik setzt auf Pofalla und Frenzel

Berlin : Politik setzt auf Pofalla und Frenzel

Nach dem Streit im Bahn-Aufsichtsrat versucht die Politik, ihre geplante Paketlösung zu retten: Danach soll Ronald Pofalla (CDU) Bahn-Chef werden und Ex-Tui-Chef Michael Frenzel (SPD) Aufsichtsrats-Chef. Doch die CSU mauert.

In Berlin kann man es nicht fassen: Ein Jahr habe man an einer Lösung gearbeitet, um die Spitzenposten bei der Bahn zu besetzen, heißt es in Berliner Kreisen. Demnach sollte Ronald Pofalla, derzeit Infrastruktur-Vorstand, seinen Freund Rüdiger Grube in wenigen Jahren als Bahn-Chef ablösen. An der Spitze des Aufsichtsrates sollte Michael Frenzel, früher Tui-Chef und derzeit einfacher Aufsichtsrat, Utz-Hellmuth Felcht ersetzen, wie unsere Redaktion aus Berliner Kreisen erfuhr. Ein fein austariertes Gespann für den Staatskonzern: Pofalla (57) hat seit langem ein CDU-Parteibuch, Frenzel (69) eins der SPD.

Doch dann kam am Montag, in der denkwürdigen Aufsichtsratssitzung, Jürgen Großmann und brachte alles durcheinander. Der Zwei-Meter-Mann, der Elefanten-Krawatten so mag, mäkelte heftig an Grubes Bilanz und der zunächst für diesen geplanten Vertragsverlängerung herum, so dass dieser entnervt das Handtuch warf. Offenbar sah Großmann eine zweite Chance, um eigene Ambitionen zu befeuern, heißt es in Bahn-Kreisen. Der Stahlmanager sitzt seit langem im Bahn-Aufsichtsrat. Die Bahn ist einer der großen Kunden seines Unternehmens, der Georgsmarienhütte. Vor Jahren soll Großmann schon einmal versucht haben, Oberkontrolleur des Staatskonzerns zu werden, wenn auch ohne Erfolg. Nun habe der 64-Jährige erneut Morgenluft gewittert, hieß es weiter. Großmanns Sprecherin wollte sich nicht dazu äußern: "Die Georgsmarienhütte Holding ist nicht der richtige Ansprechpartner für diese Fragen."

Auch dieses Mal wird Großmann scheitern. Kanzlerin Angela Merkel, die bei dieser Spitzenpersonalie entscheidende Worte mitzureden hat, ist auf den polternden Manager nicht gut zu sprechen. Er hatte sie schon beim Atomausstieg mit einer Anzeigenkampagne düpiert. Die Spitzen von CDU und SPD setzen weiter auf das Tandem Pofalla/Frenzel. Hektisch wird telefoniert - in Berlin, aber auch in München. CSU-Chef Horst Seehofer sperre sich noch gegen Pofalla/Frenzel, heißt es weiter. Unklar bleibt, ob der CSU-Chef den SPD-Mann nicht will oder ob er von dessen Managerqualitäten nichts hält. Frenzel, der einst enger Mitarbeiter von Ex-WestLB-Chef Friedel Neuber und von 1994 bis 2013 Preussag- beziehungsweise Tui-Chef war, hat den Hannoveraner Konzern nach Meinung von Beobachtern als Sanierungsfall hinterlassen.

Noch-SPD-Chef Sigmar Gabriel, der Frenzel aus seiner Niedersachsen-Zeit bestens kennt, setze weiter auf das schwarz-rote Tandem, heißt es. Doch jetzt kommt es auf seinen designierten Nachfolger Martin Schulz an. Und womöglich hat Schulz großen Ehrgeiz, erstmals eine Bahn-Chefin zu installieren. Ein Name wird gehandelt: Sigrid Nikutta. Die 47-jährige Mutter von fünf Kindern hat 15 Jahre für die Bahn gearbeitet, seit 2010 ist sie Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe.

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In der Regierung will man die Sache jedenfalls noch vor der Bundestagswahl vom Tisch bekommen, und sei es, indem man sich zunächst auf eine Übergangslösung einigt. Am Montag tagt der Personalausschuss des Bahn-Aufsichtsrates. Die Sitzung ist nicht extra angesetzt worden, sondern war turnusgemäß geplant. Allerdings erhält sie durch den aktuellen Streit neue Brisanz. Erschwert wird die Lage dadurch, dass Aufsichtsratschef Felcht selbst angeschossen ist. Auch er war von Großmanns Attacke offenbar überrascht und hatte Grubes Rücktritt nicht verhindern können. Am Mittwoch musste Felcht bereits zum Rapport ins Bundesverkehrsministerium. Noch hält Minister Alexander Dobrindt (CSU) an ihm fest. Die Frage ist, für wie lange.

(RP)