Berlin/Frankfurt: Politik kritisiert Boni der Deutschen Bank

Berlin/Frankfurt: Politik kritisiert Boni der Deutschen Bank

Trotz roter Zahlen will der Branchenprimus für 2017 mehr als eine Milliarde Euro an Boni zahlen. Das hält auch die Kanzlerin für fragwürdig. Die SPD will nun die steuerliche Absetzbarkeit von Boni stoppen.

Aus mehreren Parteien ist gestern scharfe Kritik an den hohen Boni für Deutsche-Bank-Manager laut geworden. "Die Unternehmensleitung muss sich fragen, welchen Eindruck sie in der Öffentlichkeit erzeugt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Überall schließen Bankfilialen, Kunden verlieren ihre Berater, Berater ihre Jobs", sagte SPD-Chef Martin Schulz der "Bild"-Zeitung. "Wenn in dieser Situation Boni in Höhe von einer Milliarde Euro ausgeschüttet werden, dann verliert ein Unternehmen nicht nur an Ansehen. Das schadet insgesamt unserer Solidargemeinschaft."

SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel bemängelte: "Einerseits Arbeitsplatzabbau, andererseits goldene Nasen in der Führungsetage - das kann man niemandem erklären." Die SPD wolle daher in den Koalitionsverhandlungen eine Begrenzung der steuerlichen Absetzbarkeit solcher Bonuszahlungen durchsetzen. Auch die Grünen fordern, Boni durch einen solchen Schritt für Unternehmen teurer zu machen. Die hohen Boni nährten einmal mehr das verbreitete Gefühl der Ungerechtigkeit, sagte der neue Grünen-Chef Robert Habeck.

Die Antwort der Bank: Man habe im vergangenen Jahr den meisten Führungskräften keine variable erfolgsabhängige Vergütung gezahlt: "Wir haben immer gesagt, dass wir in diesem Jahr dahin zurückkehren", sagte der Bank-Sprecher. Das habe auch lang gut ausgesehen, bis die US-Steuerreform gekommen sei. Diese sei zunächst eine Abschreibung, aber wenn Gewinne in den Vereinigten Staaten erzielt werden, werde die Steuerlast der Bank dann auch niedriger ausfallen. "Dafür unsere Kollegen weltweit zu bestrafen, kann nicht Sinn der Sache sein", so der Bank-Sprecher.

Angeblich will die Bank eine Milliarde Euro an Boni ausschütten. Die "variable Vergütung" soll an Beschäftigte weltweit und in allen Sparten ausgezahlt werden. Damit will die Bank Frust und Abwanderung ihrer Topleute verhindern, heißt es. Allerdings soll der Vorstand uneins gewesen sein, ob die Bank angesichts des erneut drohenden Verlustes die Bonuszahlungen wieder aufnehmen soll. Der Verlust dürfte bei 100 Millionen Euro liegen, vermutet Markus Rießelmann, Analyst von Independent Research. Am Freitag legt Vorstandschef John Cryan die Bilanz für 2017 vor.

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Das Argument der Bank kann Klaus Nieding, Vizechef der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, zwar nachvollziehen. Doch die Bank müsse auch an ihren Eindruck in der Öffentlichkeit denken. Deshalb solle sie solche Probleme künftig geschickter lösen, meint er und schlägt vor, Vergütungssysteme so zu gestalten, dass man in schwierigen Phasen des Geschäfts die Bonizahlung aufschieben könne bis zu besseren Zeiten.

Ingo Speich, Fondsmanager von Union Investment, hält die Boni grundsätzlich für richtig: "Dabei muss sichergestellt sein, dass sie nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt, sondern nur echte Leistungsträger belohnt werden." Der Fondsmanager hatte sich am Wochenende jedoch besorgt gezeigt, ob die Deutsche Bank in ihrer jetzigen Form überleben könne: Sollten die Erträge in ein paar Jahren immer noch nicht sprudeln, könne die Bank womöglich zerschlagen und mit anderen europäischen Großbanken verschmolzen werden, sagte er der "Welt am Sonntag".

Das sei wohl etwas zu dramatisch, glaubt hingegen Anlegerschützer Nieding. Er hält es für besser, die Risiken auf mehrere Schultern zu verteilen. Vor allem deutsche Investoren sollten vielmehr ein Interesse daran haben, dass die Bank zu alter Stärke zurückfinde. Ob das nur per Fusion mit der Commerzbank funktioniert, darüber gehen die Meinungen der Beobachter auseinander.

(mar)