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Düsseldorf: Pilotenstreik trifft 15 000 Passagiere

Düsseldorf : Pilotenstreik trifft 15 000 Passagiere

Heute kommt es bei der Lufthansa-Billigtochter Germanwings zu sechsstündigen Arbeitsniederlegungen. 116 Flüge fallen aus. Die Airline bittet Passagiere, auf die Bahn umzusteigen - dabei drohen aber zusätzliche Kosten.

Der Tarifstreit bei der Lufthansa wird heute erstmals für die Passagiere spürbar. Die Vereinigung Cockpit (VC) hat die Germanwings-Piloten zu einem sechsstündigen Streik aufgerufen. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Wann wird gestreikt?

Die Germanwings-Piloten werden von 6 bis 12 Uhr an allen deutschen Flughäfen die Arbeit niederlegen.

Wie stark sind die Folgen?

Zwar handelt es sich um einen zeitlich befristeten Streik. Doch Germanwings erklärte gestern, der Arbeitskampf werde "deutliche Auswirkungen auf den Flugverkehr von und nach Deutschland sowie auf den innerdeutschen Verbindungen haben". Die übrigen Lufthansa-Gesellschaften werden nicht bestreikt. Da Germanwings-Kunden sich nach alternativen Transportmöglichkeiten umsehen werden, dürfte es morgen im Bahnverkehr und auf den Straßen voller werden als üblich.

Wie viele Flüge sind in diesem Zeitraum angesetzt?

Germanwings fliegt täglich etwa 550 Mal in Deutschland und Europa. 116 von 164 Flügen fallen zwischen 6 und 12 Uhr aus, 15 000 Passagiere sind betroffen - vor allem an den Standorten Köln und Stuttgart. In Düsseldorf sind die Auswirkungen weniger spürbar. Nach Angaben eines Sprechers seien für den betroffenen Zeitraum vier Flüge geplant. Düsseldorf profitiert davon, dass ein Teil der Lufthansa-Inlandsflüge von Eurowings ausgeführt wird. "Die Folgen werden sich in Grenzen halten. Wir bauen keine Feldbetten auf", so der Sprecher.

Wo können sich Fluggäste informieren?

Germanwings hält die Kunden per Internet (tinyurl.com/o5kthte) auf dem Laufenden. Dort können sich die Passagiere mit Hilfe ihrer Flugnummer aktuell über den Status einzelner Flüge erkundigen. Der Weg über das Internet ist ratsam: Das Unternehmen hatte gestern bereits Probleme, der Hotline-Anrufe (0180 6320320 für 20 Cent pro Anruf aus dem Festnetz) verunsicherter Passagiere Herr zu werden.

Können Fluggäste umbuchen oder sogar zurücktreten?

Ja. Passagiere, die von einer Flugstreichung betroffen sind, können den Flug unabhängig vom Tarif kostenfrei auf ein anderes Datum umbuchen oder stornieren. Germanwings rät Kunden, die einen Inlandsflug gebucht haben, auf die Bahn auszuweichen. Allerdings übernimmt das Unternehmen dafür nur Kosten in Höhe des ursprünglichen Flugticketpreises. Ist das Bahnticket teurer, muss der Kunde draufzahlen.

Welche Rechte haben Fluggäste bei Verspätungen?

Flugreisende haben bei Verzögerungen auf Kurzstrecken von bis zu 1500 Kilometern nach zwei Stunden Anspruch auf Betreuungsleistungen - also etwa auf Verpflegung und einen Zugang zu E-Mails und Telefon. Gleiches gilt bei Mittelstrecken bis zu 3500 Kilometern ab drei Stunden und bei Langstrecken ab vier Stunden Wartezeit. Wer fünf Stunden warten muss und deshalb die Reise nicht mehr antreten will, kann stornieren. Anders sieht es aus bei Reisen, die bei einem Reiseveranstalter gebucht wurden. Dort kann der Kunde ab einer Verspätung von fünf Stunden von dem Anbieter einen Ersatzflug verlangen. Schafft der Veranstalter es nicht, diesen in einer angemessenen Frist zur Verfügung zu stellen, darf der Kunde die Anreise selbst organisieren und die Kosten dem Veranstalter in Rechnung stellen oder den Preis nach der Rückkehr mindern.

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Gibt es einen Anspruch auf Ausgleichszahlung?

Nein. Zwar steht Kunden grundsätzlich nach der europäischen Fluggastverordnung eine Zahlung von 600 Euro zu. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass es sich bei einem Streik für die Fluggesellschaft um höhere Gewalt handelt. Ausgleichszahlungen sind deshalb nicht vorgesehen (Az.: X ZR 146/11).

Besteht die Gefahr, dass auch die Lokführer morgen streiken?

Nein. Der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Claus Weselsky, hat gestern angekündigt, dass es in dieser Woche keine Arbeitskämpfe bei der Bahn geben wird. Zudem haben VC und GDL erklärt, sich bei Streiks abzustimmen, da man nicht in erster Linie die Kunden treffen wolle.

(RP)