Pflege: Zwei Drittel der Altenpflegehelfer in Vollzeit verdienen Niedriglöhne

Job an der Niedriglohnschwelle : Zwei Drittel der Vollzeit-Altenpflegehelfer verdienen weniger als 2200 Euro

Mehr als 60 Prozent oder knapp zwei Drittel der vollzeitbeschäftigten Altenpflegehelfer in Deutschland liegen weiterhin unter der sogenannten Niedriglohnschwelle von 2203 Euro brutto im Monat.

Das geht aus einer Daten-Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit (BA) für die Linksfraktion im Bundestag hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Demnach erzielten im vergangenen Jahr auch 14,1 Prozent der vollzeitbeschäftigten Altenpflege-Fachkräfte Gehälter unterhalb der Niedriglohnschwelle. Nach der EU-Definition liegt diese Schwelle bei 60 Prozent des durchschnittlichen Bruttomonatseinkommens. Das Bundesarbeitsministerium hatte die Schwelle unlängst mit 2203 Euro brutto pro Monat für das vergangene Jahr angegeben.

Insgesamt arbeiten in der Altenpflege in Deutschland rund 1,1 Millionen Menschen. Davon sind allerdings nur gut 200.000 in Vollzeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die hohe Teilzeitquote und die geringen Gehälter in der Alten- und Krankenpflege sind ein Grund für die zunehmende Personalnot in dem Sektor. Um die Löhne zunächst nur in der Altenpflege zu verbessern, soll an diesem Donnerstag im Bundestag das so genannte Pflegelöhne-Gesetz beschlossen werden. Es soll die Grundlagen für einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag in der Pflegebranche legen. Zudem soll es die Pflegekommission stärken, die Empfehlungen zu Lohnuntergrenzen und Mindestarbeitsbedingungen ausspricht. Auf diesem Weg könnte der Pflege-Mindestlohn so ausgestaltet werden, dass neben Hilfskräften auch Fachkräfte profitieren.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) wird aber nur einen Tarifvertrag auf die gesamte Branche erstrecken können, wenn sich zuvor die Tarifparteien darauf einigen. Dies könnte gelingen zwischen der Gewerkschaft Verdi und einem neu gegründeten Arbeitgeberverband. Laut Heil arbeiten derzeit nur etwa 20 Prozent der Altenpfleger tarifgebunden. Die Situation in der Altenpflege gilt als besonders schlecht, da die Löhne dort im Schnitt noch einmal deutlich unter denen in der Krankenpflege liegen.

Den BA-Daten zufolge ist der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten im Altenpflegebereich insgesamt von 37,2 Prozent im Jahr 2012 auf 30,1 Prozent im vergangenen Jahr gesunken. In absoluten Zahlen stagnierte die Zahl aber bei 60.000 Pflegekräften. Vor allem bei den Pflegehelfern ging der Anteil derer, die unterhalb der Niedriglohnschwelle liegen, seit 2012 nur geringfügig zurück. „Jahrelang wurden Niedriglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen in der Pflege stillschweigend hingenommen. Hier ist der Fachkräftemangel ein hausgemachtes Problem – mit der absurden Folge, dass eine prekäre Beschäftigungsform wie die Leiharbeit inzwischen eine lukrative Alternative zum normalen Arbeitsverhältnis geworden ist“, sagte Linken-Politikerin Susanne Ferschl.

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