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Kompromissbereit der IG-Metall bekräftigt: Peters "verblüfft" über Stimmung gegen Streik

Kompromissbereit der IG-Metall bekräftigt : Peters "verblüfft" über Stimmung gegen Streik

Hannover/Chemnitz (rpo). Der designierte IG-Metallvorsitzende Jürgen Peters zeigt sich "beunruhigt und verblüfft" über die negative öffentliche Stimmung gegen den Metaller-Streik im Osten. Gleichzeitig bekräftige er die Kompromissbereitschaft seiner Gewerkschaft. Unterdessen wurde bekannt, dass sich IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser zu einem Gespräch treffen wollen.

Das sagte IG-Metall-Sprecher Claus Eilrich am Mittwoch. Der Ort und der genaue Zeitpunkt würden nicht bekannt gegeben, sagte Eilrich der Nachrichtenagentur AP. Es handele sich um ein Sondierungsgespräch, nicht um ein Spitzengespräch, betonte Eilrich.

Trotz des am Dienstag vereinbarten neuen Verhandlungstermins mit den Arbeitgebern rief die IG Metall am Mittwoch erneut rund 8.500 Beschäftigte zum Streik für Arbeitszeitverkürzungen in Ostdeutschland auf. Als Zeichen guten Willens setzte die Gewerkschaft jedoch den Ausstand beim Getriebehersteller ZF in Brandenburg aus, um die Auswirkungen auf die Autoindustrie im Westen abzumildern.

"Wir sind daran interessiert, schnellstmöglich zu einem Ergebnis zu kommen, das beide Seiten tragen können", sagte Peters der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Mittwoch).

Die Angleichung der Arbeits- und Lebensbedingungen in Ost und West sei eine Sache von politischer Vernunft und Gerechtigkeit, sagte Peters der Chemnitzer "Freien Presse" (Mittwoch).

Kritik, die IG Metall gefährde den Aufbau in Ostdeutschland, wies Peters strikt zurück. Auch die sächsische Landesregierung habe etwa die Pflicht, "für gleiche Arbeits- und Lebensbedingungen in Ost und West einzutreten", sagte er an die Adresse von Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU). Die Metall- und Elektroindustrie im Osten habe eine Produktivität, die eine stufenweise Angleichung der 35-Stunden-Woche ohne Probleme verkraften könne.

Die IG Metall wolle keine Eskalation, betonte er im Gespräch mit der "Neuen Presse". Man sei bereit, sich auf einen Stufenplan zur Einführung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland zu verständigen. "Da wollen wir wissen, wo Anfang und Ende ist." Für den Fall, dass es bei den angesetzten Gesprächen keine Fortschritte gibt, drohte Peters erneut mit einer Ausweitung des Arbeitskampfes auf den Westen Deutschlands.

Der Gewerkschafter appellierte an den Einigungswillen der Arbeitgeber. "Für unsere Seite kann ich das garantieren."Arbeitgeber und Gewerkschaft hatten sich am Dienstag darauf verständigt, die Verhandlungen am Freitag in Berlin wieder aufzunehmen.