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Bangalore: Paypal ist 52 Milliarden Dollar wert

Bangalore : Paypal ist 52 Milliarden Dollar wert

Paypal legt einen erfolgreichen Börsenstart hin. Die Trennung von der bisherigen Konzernmutter Ebay macht das Unternehmen attraktiver für andere Kooperationspartner.

Der Online-Bezahldienst Paypal hat beim Börsencomeback die frühere Mutter Ebay klar in den Schatten gestellt. Am ersten Handelstag nach der Abspaltung schossen Paypal-Aktien um bis zu elf Prozent in die Höhe. Damit brachte der US-Konzern insgesamt etwa 52 Milliarden Dollar auf die Waage, während die Marktkapitalisierung von Ebay zeitweise um 4,7 Prozent schrumpfte auf lediglich noch rund 32 Milliarden Dollar.

Ebay hatte Paypal vor 13 Jahren für rund 1,5 Milliarden Dollar gekauft. Der Dienst war 1998 von mehreren Investoren gegründet worden, darunter dem deutschstämmigen Milliardär Peter Thiel und Tesla-Chef Elon Musk. Über Paypal können Kunden ihre Online-Einkäufe auf verschiedenen Internetseiten abwickeln. Vor allem Ebay-Großaktionär Carl Icahn hatte auf eine Abspaltung des rasant wachsenden Bezahldienstes gedrungen, damit beide Unternehmen in ihren Geschäften eine höhere Flexibilität und unter Anlegern an den Kapitalmärkten mehr Aufmerksamkeit erhalten. Zuletzt war das Wachstumstempo von Mutter und Tochter sehr unterschiedlich. Die Nettoerlöse des Bezahldienstes wuchsen im letzten gemeinsamen Quartal um 16 Prozent auf 2,26 Milliarden Dollar, das Ebay-Geschäft mit den Handelsplattformen schrumpfte dagegen um drei Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar.

Paypal soll nach dem Willen von Konzernchef Dan Schulman zu einem umfassenden Finanzdienstleister ausgebaut werden. "Die große Mehrheit der weltweit sieben Milliarden Menschen hat keinen Zugang zu einfachen Finanzdienstleistungen", hatte Schulman jüngst gesagt.

Analysten sehen das Unternehmen in einer starken Position. "Paypal ist der Gorilla unter den Bezahldiensten", stellten die Experten von JPMorgan fest. Ihrer Einschätzung nach wird der Konzern aber trotzdem hart zu kämpfen haben. Denn der Markt mobiler Bezahldienste, auf dem sich neben Jungfirmen wie Stripe und Square auch der Technologiegigant Apple tummelt, entwickle sich sehr schnell weiter, so das Urteil der Marktexperten.

Paypal hatte in den vergangenen Jahren als die Ertragsperle des Ebay-Konzerns gegolten, und die Anleger freuten sich auf die Unabhängigkeit. Das Kalkül ist: Entweder treibt Paypal entfesselt die Neuordnung der Bezahlwelt voran - oder sie profitieren schnell, wenn Paypal übernommen würde.

Manche Fachleute halten es für möglich, dass Paypal auch von einem Branchenriesen geschluckt wird. Etwa für Google könnte Paypal eine interessante Wahl sein, sagte Oliver Hommel, Zahlungsverkehrsexperte der Beratungsfirma Accenture Strategy. "Oder auch für aufstrebende E-Commerce-Plattformen aus dem asiatischen Raum wie Alibaba, die mit einem Schlag eine große Marktdurchdringung im Westen erzielen könnten." Auch ein Interesse von Amazon an der früheren Ebay-Tochter wird derzeit nicht ausgeschlossen.

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Die Nachfrage nach Paypal beim Börsen-Comeback war jedenfalls immens. Allein in den ersten 20 Handelsminuten an der US-Technologiebörse Nasdaq wurden mehr Papiere des Online-Bezahldienstes ge- und verkauft als Aktien der Dax-Umsatzspitzenreiter Deutsche Telekom, Commerzbank, Deutsche Bank und Infineon zusammengerechnet. Auch andere Zahlen zum Börsenstart sind beeindruckend. Gleich in den ersten Handelsminuten schaffte die Paypal-Aktie sechs Prozent Kurszuwachs. Und die Börsenbewertung von 52 Milliarden Dollar (etwa 45 Milliarden Euro) stellt auch die Marktkapitalisierung vieler Dax-Konzerne in den Schatten.

(rtr)