Pakete aus der Luft Erster Linienflugbetrieb mit Drohne startet in Lüdenscheid

Düsseldorf/Lüdenscheid · Pakete über Drohnen verschicken, könnte für Firmen bald zum Standard werden. Erstmals ging nun der Linienflugbetrieb eines Unternehmens im Sauerland an den Start. Welche Chance die Pionierarbeit bringt.

Ein Techniker befestigt in Lüdenscheid das zu liefernde Paket an der Drohne.

Ein Techniker befestigt in Lüdenscheid das zu liefernde Paket an der Drohne.

Foto: dpa/Christoph Reichwein

Wenn Unternehmen Gegenstände auf Kurzstrecken von A nach B bringen wollen, schicken sie in der Regel Fahrer, die die Materialien mit dem Transporter ausliefern. Nicht besonders umweltfreundlich und teilweise auch sehr zeitintensiv. Gerade wenn der Fahrer in einen Stau gerät. Abhilfe könnte nun die Drohne schaffen: In Lüdenscheid startete am Mittwochvormittag der Zulieferer für Produktions- und Handwerksunternehmen Koerschulte Group den deutschlandweit ersten Linienflug mit einer Drohne. Das Luftfahrt-Bundesamt hatte zuvor den Linienflugbetrieb mit einer Lastendrohne genehmigt – und spricht von einer „absoluten Vorreiterrolle“, die Deutschland innehat.

Denn: Ein täglicher Regelbetrieb mit der Lastendrohne sei in Europa bisher einmalig. Zunächst wird das Lüdenscheider Unternehmen nur den Kunden Hotset, zuständig für Heizungs- und Wärmetechnik, beliefern. Eine Strecke von 800 Metern, die Lieferanten grundsätzlich auch zu Fuß gehen könnten. Doch große Projekte müssen erstmal klein erprobt werden. Wie Hotset-Geschäftsführer Ralf Schwarzkopf mitteilt, ginge es um das Prinzip. „Wir sind einfach nur der Musterbetrieb.“ Da sei aus Sicht der Koerschulte Group ein langjähriger Partner aus dem Sauerland ideal.

Vorerst wird der nordrhein-westfälische Zulieferer nur eine Drohne in Betrieb nehmen. Diese kann genau sechseinhalb Kilogramm auf maximal 20 Kilometer befördern und ist somit insbesondere für Kleinteile wie Schrauben oder Muttern ideal. Insgesamt darf die Drohne höchstens 25 Kilogramm wiegen – „das ist das Maximale, was man rausholen kann“, teilt der Drohnenhersteller Third Element Aviation aus Bielefeld mit. Überschreitet der Flugroboter mit seinem Gewicht die „magische Grenze“, müsse der Transport anderweitig genehmigt werden, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion.

Die Vision, Kunden mit der Drohne zu beliefern, hat die Koerschulte Group bereits seit mehreren Jahren. Bereits vor der Corona-Pandemie informierte das Unternehmen den Kunden Hotset über die Idee, später wurde der Drohnenhersteller aus Bielefeld angefragt, geprüft wurde das Projekt dann vom Luftfahrt-Bundesamt. Um den ersten Linienflug in Betrieb zu nehmen, müssen diverse Aspekte geprüft werden. Insgesamt dauerte die Testphase zwei Jahre.

Die Anforderungen, die in dieser Zeit bewältigt werden mussten, waren laut Luftfahrt-Bundesamt „besonders hoch“. Zwar seien Anfragen für Drohnenflüge außerhalb der Sichtweite in Deutschland nicht selten. Neu sei allerdings, dass der Betrieb in der Nähe von Menschen und nicht im ländlichen Raum stattfinde. Ähnliche Flugbetriebe seien in der EU noch sehr selten. Für das Pilotprojekt sei demnach ein „riesiges“ Handbuch notwendig gewesen, teilt der Drohnenhersteller Third Element Aviation mit. Es müssen nicht nur die einzelnen Drohnenpiloten ausgebildet, fit und gesund sein, sondern auch die Drohnen müssen sicher fliegen. Im äußerst seltenen Fall eines Absturzes sollte der Fallschirm an der Drohne funktionieren und auch die Software einwandfrei laufen. Welche Strecke die Drohne fliegt, ist detailliert vorgegeben, um Risiken zu vermeiden.

Für Koerschulte steht das Pilotprojekt noch in den Startlöchern. Eine dauerhafte Genehmigung hat das Unternehmen bereits und laut eigener Aussage seien weitere Strecken schnell einführbar. Demnach wolle man künftig nicht nur den 800-Meter-entfernten Kunden mit der Drohne beliefern, sondern auch mehrere Kilometer weiter nach Wuppertal fliegen. Statt die Strecke in ein bis zwei Stunden – je nach Staulage – mit dem Auto zu fahren, würde sich das Lüdenscheider Unternehmen mit der Drohne viel Zeit sparen. Und Zeit ist schließlich Geld. Gerade wegen der im vergangenen Jahr gesprengten Talbrücke über der Rahmede ist die Verkehrssituation rund um Lüdenscheid prekär. Mit der Drohne würde Koerschulte die Staus umfliegen.

Folglich können nicht nur Stress, Kosten und Zeit eingespart werden – Ziel sei es auch, durch einen geringeren Benzinausstoß CO₂-Emissionen zu reduzieren. Eine weitere Idee des Lüdenscheider Unternehmens: Die genutzten Lastendrohnen mit Fotovoltaik zu laden – „man muss auch größer denken“, findet die Koerschulte Group. Auch wenn die Idee noch Zukunftsmusik ist, wäre „die logische Weiterentwicklung“ möglich, meint der Drohnenhersteller. Hierbei würde man sich nach den Wünschen der Kunden richten.

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