1. Wirtschaft

Ostern: Werden Schoko-Nikoläuse einfach wieder eingeschmolzen?

Urbaner Mythos : Werden Schokoladen-Nikoläuse wirklich für Ostern eingeschmolzen?

Der Mythos von eingeschmolzenen Schoko-Nikoläusen, die als Osterhasen wiedergeboren werden hält sich seit Jahrzehnten hartnäckig. Doch was ist da dran? Wir erklären, was mit Produkten wirklich passiert, die nicht verkauft wurden.

Legen die Schokoladen-Nikoläuse ihr weihnachtliches Gewand ab, um im Hasenkostüm auch am Ostergeschäft teilzunehmen? Das zumindest vermuten offenbar einige Kunden. Teilweise ähnelt sich die Form der Hasen und Weihnachtsmänner stark. Ob die Wölbung am Kopf nun eine Mütze oder abgeknickte Hasenohren sind lässt sich nur schwer abschätzen. Aber die Annahme ist falsch. Die Produkte werden nicht eingeschmolzen und neu verarbeitet. Das ist nämlich überhaupt nicht erlaubt.

Nach dem Lebensmittelrecht dürfen Produkte, die das Werk einmal verlassen haben, nicht wieder zurückgenommen werden. „Außerdem würde es sich auch wirtschaftlich überhaupt nicht lohnen“, sagt Solveig Schneider vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Die Nikoläuse müssten von Hand ausgepackt, eingeschmolzen, geformt und dann neu als Osterhase verkleidet werden. Das rechnet sich nicht.

Stattdessen werden übriggebliebene Exemplare vergünstigt verkauft oder gehen an gemeinnützige Organisationen wie die Tafeln. Viele Werke bieten einen eigenen Werksverkauf an, bei dem auch Bruchware verkauft wird. Selbst die wird nämlich nicht nochmal eingeschmolzen. Eine Gemeinsamkeit haben Osterhase und der weihnachtliche Kollege aber sehr wohl: in der Regel werden sie aus einer Schokoladenmasse hergestellt und schmecken daher auch gleich. „Es gibt kein eigenes Osterhasenrezept. Die Rezepturen sind dieselben“, bestätigt Bettina Löffler vom Schokoladenhersteller Klett.

Der Osterhase ist bei den Kundinnen und Kunden übrigens deutlich beliebter. 2019 gingen laut BDSI 220 Millionen Osterhasen über die Ladentheke. Von den Nikoläusen wurden 2020 „nur“ 151 Millionen verkauft. „Die Hasen haben nicht so viel Konkurrenz. Im Weihnachtsgeschäft gibt es eine größere Produktvielfalt“, erklärt Solveig Schneider. Für die Schokoladenindustrie beginnt jetzt schon die Produktion für das Weihnachtsgeschäft. Auch das zeigt: ein Einschmelzen wäre logistisch gar nicht möglich. „Die Produktion sollte bestenfalls ineinander übergehen“, sagt Bettina Löffler.

Durch die aktuelle Pandemie könnte dieses Ziel knapp verfehlt werden. Insgesamt sei deutlich weniger Ware bestellt worden. Der BDSI weist daraufhin, dass man zu Hause übrig gebliebene Schokolade im Gegenteil zur Industrie aber sehr wohl weiterverarbeiten darf. Die Schokolade eigne sich zum Beispiel für Mousse au Chocolat oder einen Kuchen.

(mabu)