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"Orakel von Omaha": Investpren-Legende Warren Buffett wird 90

Investoren-Legende Warren Buffett : Das Orakel von Omaha wird 90

Der amerikanische Starinvestor Warren Buffett ist mit einem Vermögen von 67 Milliarden Dollar der sechstreichste Mensch der Welt. Sein Geld gemacht hat er auch mit einer einfachen Strategie: Kaufe nur das, was du auch verstehst.

Warren Buffett bekommt pro Jahr von der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway ein Gehalt von 100.000 Dollar. Das entspricht etwa 84.000 Euro, etwas mehr als der Beitragsbemessungsgrenze in der deutschen Rentenversicherung. Um seine Rente muss sich Buffett aber ohnehin keine Sorgen machen, und die 100.000 Dollar sind auch nur ein mehr oder weniger symbolisches Gehalt. Schließlich gehört Buffett das Investment-Unternehmen. Der Mann, der am Sonntag 90 Jahre alt wird, verfügt dank seiner unternehmerischen Aktivitäten über ein Vermögen von 67,5 Milliarden Dollar, die ihn laut Forbes-Liste als sechst­reichsten Menschen weltweit ausweisen. Was sind da schon ein paar Millionen Gehalt mehr oder weniger im Laufe eines Lebens.

Was Buffetts Reichtum angeht, hat die Wachstumsgeschwindigkeit in der zweiten Hälfte seines bisherigen Lebens deutlich zugelegt. Mit 44 war er gerade mal bei 20 Millionen Dollar angekommen, drei Jahre später hatte er sein Vermögen schon nahezu vervierfacht, mit 56 war er Milliardär, eineinhalb Jahrzehnte später war er bei 36 Milliarden Euro angekommen. Jetzt sind es, trotz Verlusten in den vergangenen Jahren, noch mal 30 Milliarden mehr. Trotz zwischenzeitlicher Finanz- und aktueller Corona-Krise.

Natürlich gehört da auch Glück dazu, natürlich hat so mancher Aufschwung am Aktienmarkt dem Starinvestor und seiner Firma in die Karten gespielt. Aber es braucht auch die richtige Strategie. Buffett und Berkshire Hathaway folgen seit jeher der Maxime, nur in Unternehmen zu investieren, „deren Geschäftsmodell wir auch verstehen“. Ein Prinzip, was so mancher Kleinanleger in der Gier aufs schnelle Geld schon mal außer Acht gelassen hat. Und: Jeder Betrag, der bei Berkshire angelegt wird, verlangt Sorgfalt – schließlich ist es bei einer Investmentfirma auch das Geld anderer Menschen, das man anlegt.

Das mit dem Investieren ist seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor mehr als einem Jahrzehnt indes für alle schwieriger geworden. Das gilt noch mehr in Zeiten der Corona-Krise. Die Pandemie und ihre Folgen haben den Mann, der noch nach dem Finanzcrash den Kursverfall genutzt hatte, um kräftig zuzukaufen, vorsichtiger gemacht. Er hat wie ein nervöser Kleinanleger Aktien von Unternehmen verkauft, die in den Sog der Krise gerieten oder noch zu geraten drohen – Airlines beispielsweise, deren Maschinen leer blieben, oder Banken, die auf faulen Krediten sitzen bleiben könnten. Die Finanzwelt wartet seit geraumer Zeit vergeblich auf das nächste große Investment des Mannes, der wegen seines Gespürs für gewinnträchtige Deals einst als „Orakel von Omaha“ (die Stadt in Nebraska ist seine Heimat) bezeichnet wurde. Aber auch den erfolgreichsten Investoren verlässt irgendwann dieses Gespür. Und auch der Mut. Buffett sagt, der Investmentmarkt gebe derzeit nicht das Richtige her.

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Die Corona-Krise hat das Buffett-Imperium im zweiten Quartal ein paar hundert Millionen Dollar Gewinn gekostet, der Aktienkurs litt deutlich in diesem Jahr. Aber es bleibt noch genug für einen Mann, dessen Lebenslauf sich in Teilen so anhört wie die Geschichte des reich gewordenen Tellerwäschers. Buffett ist zwar der Sohn eines Wall-Street-Brokers, aber er war zu Beginn auch Zeitungsbote, Vermieter von Flipperautomaten, hat Golfbälle verkauft. Seit 15 Jahren spendet er regelmäßig Teile seines Vermögens, er hat schon Lunches veranstaltet, für die seine Tischpartner Millionenbeträge zahlten (für wohltätige Zwecke), und seine Kinder haben sich gegen Armut und für Bildung und Frauenprojekte engagiert. Da passt die Anekdote wunderbar ins Bild, dass sich Buffett vor den US-Präsidentschaftswahlen 2016 bereiterklärte, mindestens zehn Menschen zum Wahllokal zu bringen, die es sonst schwer hätten, dorthin zu gelangen. Es ist allerdings nicht überliefert, ob Buffett die Ankündigung, die er bei einem Wahlkampfauftritt von Hillary Clinton in Omaha machte, auch umgesetzt hat.