Olivenöle vom Discounter überzeugen Stiftung Warentest 2018

Düsseldorf : Olivenöle vom Discounter überzeugen

Stiftung Warentest hat 27 Olivenöle untersucht. Ergebnis: Die Qualität schwankt erheblich, ob ein Produkt gut ist, ist keine Frage des Preises - und manches "native" Olivenöl hätte gar nicht erst als solches verkauft werden dürfen.

Olivenöl gilt als das meistgefälschte Lebensmittel Europas. Mal wird behauptet, eine Flasche stamme aus Italien, obwohl das Öl eigentlich aus Griechenland kommt, ein anderes Mal soll billiges Sonnenblumenöl einfach grün eingefärbt worden sein. Sieben Personen wurden deswegen vor einiger Zeit von der griechischen Polizei festgenommen.

Bei der Untersuchung der "Stiftung Warentest" fielen solche Tricksereien nicht auf - dafür jedoch einige andere Dinge. In seiner Februar-Ausgabe hat das Magazin insgesamt 27 Olivenöle untersucht - vom günstigen Discount-Produkt bis zum teuren Premium-Öl.

Eine Erkenntnis: Die Qualität eines Öls ist nicht per se eine Frage des Preises. Die Stiftung Warentest, die bereits in der Vergangenheit Olivenöle einem Test unterzogen hatte, kommt außerdem zu dem Ergebnis: Das Angebot ist insgesamt deutlich besser geworden. So schnitt beispielsweise kein Öl mangelhaft ab, weil es mit Schadstoffen belastet war. Die Öle waren auch nicht nennenswert mit Pflanzenschutz- oder Lösungsmitteln belastet. Dafür wurden in allen Ölen, in unterschiedlicher Konzentration, Bestandteile von Mineralöl nachgewiesen, für die es bislang allerdings keine Grenzwerte gibt.

Der Testsieger der Stiftung Warentest war Aktionsware und ist inzwischen vergriffen. Allerdings bieten die Discounter gute Alternativen. Sie gehören generell zu den Gewinnern des Tests, bekommt man doch für günstiges Geld ein ordentliches Olivenöl. Auch die Bio-Olivenöle, die Aldi Nord und Aldi Süd anbieten, bekamen insgesamt ein "befriedigend". Auch teure Öle konnten überzeugen, den besten Geschmack attestierten die Warentester dem unter anderem im Internet erhältlichen spanischen Öl "Family Reserve Picual Olives Extra virgin Olive Oil", bei dem der Literpreis bei rund 36 Euro liegt. Auf dem zweiten Platz landete es lediglich wegen gravierender Kennzeichnungsmängel.

Dazu zählt zum einen die Marke "Bertolli" des Lebensmittelkonzerns Unilever, Motto: "So schmeckt Italien". Beide getesteten Öle (Gentile und Originale) bekamen im Test allerdings nur ein "Ausreichend" und landeten auf den hinteren Plätzen, obwohl sie mit einem Literpreis von knapp zehn Euro nicht zu den Schnäppchen zählen. Ein Grund waren gravierende Kennzeichnungsmängel. Wichtige Informationen seien beispielsweise nur auf der Rückseite der Produkte zu finden - und nicht vorne, wie eigentlich vorgeschrieben.

Noch schlechter schnitten die Öle von Rewe ab - sowohl das günstige Ja!-Öl ("ausreichend") als auch das Bio-Olivenöl, das als mangelhaft bewertet wurde. Laut Stiftung Warentest hätte es nicht als natives Olivenöl extra verkauft werden dürfen.

Das ist gesetzlich genau geregelt -und zwar in der Olivenölverordnung der Europäischen Union. Diese schreibt unter anderem Grenzwerte für chemische Parameter und bestimmte Kennzeichnungspflichten vor. Die Bezeichnung "nativ extra", die für die höchste Güteklasse steht, dürfen laut Stiftung Warentest nur solche Öle tragen, die sensorisch einwandfrei sind. Damit diese Qualität erreicht wird, müssen sie unter anderem schonend geerntet und transportiert werden. Erfüllen sie den Qualitätsanspruch nicht, können sie maximal als "natives" Olivenöl ausgewiesen werden.

Der Bertolli-Hersteller Deoleo kann das Urteil der Warentester nicht nachvollziehen. "Unsere Olivenöle sind nachweislich von hoher Qualität und darüber hinaus korrekt deklariert und verpackt", betont das Unternehmen in einer Stellungnahme. Man überprüfe immer wieder die Qualität durch eigene Verkostungen und externe Prüfungen.

Auch beim Handelskonzern Rewe war man angesichts der Ergebnisse überrascht. "Sowohl unsere eigenen regelmäßigen Untersuchungen als auch die unserer Lieferanten zeigen keine Mängel oder Auffälligkeiten", sagte ein Sprecher auf Anfrage: "Wir bemühen uns aktuell um eine lückenlose Aufklärung."

Beim täglichen Kochen muss man nicht zwangsläufig zum 40-Euro-Öl greifen, weil man ordentliche Qualität schon für deutlich weniger Geld als Massenware bekommt. Bei Salat-Dressings, Pesto oder beispielsweise auch beim puren Genuss mit etwas Salz und Pfeffer zum frischen Ciabatta kann sich der Einsatz von teurerem Öl hingegen durchaus lohnen. Generell gilt: Olivenöl sollte nicht heißer als 175 Grad Celsius erhitzt werden, weil sich andernfalls kritische Stoffe bilden können.

Hier sehen Sie weitere Tests von Stiftung Warentest

(frin)
Mehr von RP ONLINE