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München: O2 will Bewegungsdaten von Handy-Kunden verkaufen

München : O2 will Bewegungsdaten von Handy-Kunden verkaufen

Der größte deutsche Börsengang seit 2007 ist erfolgreich über die Bühne gegangen. Der Mobilfunkanbieter O2 feierte gestern sein Debüt an der Börse. Wer die Papiere gezeichnet hatte, konnte 4,2 Prozent Kursgewinn mitnehmen. Die zu 5,60 Euro ausgegebenen Aktien stiegen bis auf 5,84 Euro. "Der Appetit auf unsere Aktien ist überwältigend, und wir sind hocherfreut", sagte René Schuster, Chef der Telefónica Deutschland, die vor allem durch die Marke O2 bekannt ist. Die spanische Telefónica kassiert für die Platzierung von 23 Prozent ihrer Anteile an der deutschen Tochter 1,45 Milliarden Euro.

Weniger begeistert sind dagegen Datenschützer von Plänen des Mobilfunkanbieters, die Bewegungsdaten seiner Kunden zu Geld zu machen und sich so neue Einnahmequellen zu erschließen. Handy-Nutzer liefern Mobilfunkbetreibern Tag für Tag Unmengen von Daten ins Haus. Für die Verwertung der Datenberge hat Telefónica bereits Anfang Oktober die Tochtergesellschaft Telefónica Dynamic Insights gegründet. Ziel sei es, Unternehmen, aber auch der öffentlichen Verwaltung, "analytische Einsichten" zu liefern, "die es diesen ermöglichen, effektiver zu werden", teilte Telefónica bei der Gründung mit. Das erste Produkt mit der Bezeichnung "Smart Steps" soll anonymisierte Bewegungsdaten von Kunden analysieren und dann zum Beispiel Einzelhändlern Erkenntnisse über das Verhalten von Besucherströmen liefern. Dazu vereinbarte die Telefónica-Tochter bereits eine Zusammenarbeit mit der Marktforschungsfirma GfK.

Es gebe aber für Deutschland noch keine konkreten Pläne, beteuerte gestern der O2-Sprecher. Wenn Bewegungsdaten verwendet würden, dann nur in anonymisierter Form. "Der Datenschutz muss zu hundert Prozent gewährleistet sein", so der Sprecher.

Der Vize-Chef der Piratenpartei, Sebastian Nerz, forderte, O2 müsse den Kunden die Möglichkeit geben, die Nutzung der Bewegungsdaten abzulehnen. O2 sei ohnehin nur die Spitze des Eisbergs, sagte Nerz und forderte ein Umdenken in der Politik. Bislang würden bei Datenschutzgesetzen zu sehr die Interessen der Wirtschaft berücksichtigt. Das Missbrauchspotenzial sei viel zu hoch, erklärte auch die bayerische FDP. Bei Standortdaten handle es sich um die sensibelsten Daten überhaupt, O2 müsse sein Programm sofort stoppen.

(RP)