Nürnberger Spielwarenmesse: Hersteller zeigen Trends von morgen auf.

Lego, Fortnite und Co.: Digitale Spielwelten sind keine Bedrohung für klassisches Spielzeug

Spielzeugherstellern mangelt es nicht an Inspiration. Die Lieblingscharaktere aus Fernsehen und Computer sind überall gefragt. Besonders Lego adaptiert seit Jahren erfolgreich beliebte Marken.

Die 70. Ausgabe der weltweit größten Spielwarenmesse in Nürnberg startet kommende Woche. Vom 30. Januar bis 3. Februar sind dem Veranstalter zufolge 2886 Unternehmen aus 68 Ländern vertreten. Die meisten Aussteller kommen aus Deutschland (683), gefolgt von China (330) und Großbritannien (186). Insgesamt werden rund eine Million Produkte gezeigt, darunter etwa 120.000 Neuheiten.

In diesem Jahr gebe es erstmals einen extra Bereich für elektronisches Spielzeug, erklärten die Organisatoren. Darunter seien Roboter, ferngesteuerte Fahr- und Flugzeuge, virtuelle Spiele sowie elektronisches Lernspielzeug. Dies spiegle die Entwicklung am Markt wider. Bisher habe es das alles auf der Spielwarenmesse zwar schon gegeben, nun werde es gebündelt präsentiert, so der Veranstalter, zusammengefasst wurden hingegen die Bereiche Modellbau und Modelleisenbahn.

Einer der bedeutensten Trends, der aus den USA kommt und auch in Deutschland stark bleibt, ist das Lizenzgeschäft. Bekannte Charaktere aus Filmen, Büchern und Computerspielen werden wohl auch 2019 den Markt dominieren. Lego etwa hat in den vergangenen Jahren massiv und mit großem Erfolg die verschiedensten Lizenzen für seine Klötzchenwelten adaptiert – von Harry Potter über Ghostbusters bis zu den Superhelden von Comicbuchverlag Marvel.

Dem Veranstalter zufolge werden die klassischen Vorlagen wie Bücher und Filme dabei zusehends von digitalen Inhalten verdrängt. Das Computerspiel Minecraft machte seinerzeit noch verhalten den Anfang, auch bei Lego. Zukünftig würden sich, so die Vorhersage, Kinder und Jugendliche zunehmend mehr mit ihren digitalen Avataren identifizieren – und wollten mit diesen dann auch fernab des Computers oder der Konsole spielen und Zeit verbringen. Spiele-Entwickler Epic macht es vor, zum Online-Spiel Fortnite, der im Monat 100 Millionen US-Dollar Umsatz generiert, stehen die Action-Figuren schon parat. „Da Videospiele bei der Altersgruppe ab sieben immer stärker an die Stelle von Kino- und Fernsehfilmen treten, ist damit zu rechnen, dass es in Zukunft immer mehr ,Toys from Tech’ geben wird“, heißt es dazu von Seiten der Spielwarenmesse.

Nach Angaben des Bundesverbands des Spielwaren-Einzelhandels gaben die Deutschen im vergangenen Jahr etwa 3,2 Milliarden Euro für Spielwaren aus und damit etwas mehr als 2017 mit 3,1 Milliarden Euro. Spitzenreiter auf Herstellerseite ist Lego, auch in Deutschland. So kam der dänische Hersteller im Jahr 2017 auf einen weltweiten Umsatz von 4,7 Milliarden Euro, 471 Millionen Euro davon in Deutschland. Hasbro (Transformers) steht zwar weltweit mit 4,3 Milliarden Euro auf Platz zwei, kommt in Deutschland mit 65 Millionen aber nur auf die hinteren Ränge. Hierzulande liegen Brandstätter (Playmobil) mit 201 Millionen Euro und Ravensburger mit 192 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2017 auf den Plätzen zwei und drei.

Der Trend zum Online-Einkauf hält an, der Umsatz dort steigerte sich um zwölf Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel bekannt gibt. Einer Umfrage des amerikanischen Marktforschungsinstituts NPD-Group zufolge bestellten 40 Prozent der Deutschen im Jahr 2018 Spielzeug im Internet, 31 Prozent kauften im Fachhandel. Die Hauptgründe, im Internet zu bestellen, sind dem Statistikportal Statista zufolge, dass Lieferungen direkt nach Hause kommen, das Internet immer geöffnet habe und der Kauf von zu Hause aus getätigt werden könne. Dem gegenüber stehen 65 Prozent der Befragten, die sich das Spielzeug im Laden ansehen wollen und weitere 55 Prozent, die ihr Kind das Spielzeug mitaussuchen lassen.

Eine wichtige Orientierung für Händler und Verkäufer ist dem Veranstalter Messe zufolge der Toy-Award. Mit diesem Preis kürt die Spielwarenmesse jährlich herausragende Produktideen. Für den ToyAward 2019 meldeten 433 Unternehmen (2018: 397) insgesamt 838 Produkte (2018: 643) an. Die Gewinner werden aum Eröffnungstag der Messe bekanntgegeben.

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