Düsseldorf: NRW.Bank-Fonds steigt bei Hosenhersteller Gardeur ein

Düsseldorf: NRW.Bank-Fonds steigt bei Hosenhersteller Gardeur ein

Mehrheitseigentümer wird die Beteiligungs-GmbH von Vorstandschef Kränzle. Gardeur erhält eine Millionenspritze.

Der Mönchengladbacher Hosenhersteller Gardeur steht vor einem Eigentümerwechsel. Der bisherige Alleineigner, die Hamburger Beteiligungsgruppe Capcellence, verkauft ihre Anteile an eine Gesellschaft des Gardeur-Konzernchefs Gerhard Kränzle und einen Beteiligungsfonds der NRW.Bank. Der Spitzenmanager wird über die Kränzle Beteiligungs GmbH künftig 51 Prozent der Anteile halten, der Fonds der landeseigenen Förderbank den Rest. Kränzles Kollegen in der Gardeur-Geschäftsführung, Frank Schulte-Kellinghaus und Marcus Kraft, werden mit je sieben Prozent an der Kränzle Beteiligungs GmbH beteiligt. Das Bundeskartellamt muss der Übernahme noch zustimmen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Zugesagt haben die beiden Investorengruppen, dass Gardeur acht Millionen Euro frisches Kapital bekommen soll. Mit dem Geld soll der Umbau des Unternehmens forciert werden. Die Gruppe hat jahrelang unter der tiefen Krise am Textilmarkt gelitten, die unter anderem zu Insolvenzverfahren bei so renommierten Handelsfirmen wie Schießer, Wehmeyer und SinnLeffers führte. Als Kränzle Ende 2010 seinen Job als Vorstandsvorsitzender bei Gardeur antrat, hatte der Hosenspezialist gerade neue Kreditvereinbarungen eingehen müssen. Das Unternehmen stieg aus der Tarifbindung aus und kam so um die nach dem Tarifabschluss 2011 fälligen Lohnerhöhungen herum. Zur Branchenkrise kam der arabische Frühling hinzu, der Gardeur in Tunesien traf, wo der Konzern in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhundets nach der irischen Hauptstadt Dublin einen zweiten ausländischen Produktionsstandort und ein großes Lager eröffnet hatte.

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Kränzle sprach später bei Gardeur offen von einem Sanierungsfall. Dass diese Formulierung nicht zu drastisch gewählt war, zeigt ein Blick aufs Eigenkapital – das war nämlich vor zwei Jahren komplett verbrannt. Mit einem zweistelligen Millionenbetrag gingen mehrere Banken erneut ins Risiko und glichen Verluste aus.

Seither haben sich die Wogen geglättet. Der Verlust vor Steuern (Ebitda) sank im Geschäftsjahr 2011/12 (30. September) von 11,9 Millionen auf 1,6 Millionen Euro – bei einem Umsatz von 87,2 Millionen Euro. Das Unternehmen, das unter anderem Warenhäuser, Textilfilialisten und Versandhändler beliefert, stellt mit rund 2000 Mitarbeitern drei Millionen Hosen her und beliefert 3000 Kunden in rund 50 Ländern.

(RP)
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