Frauen vernetzen sich beim Female Founders Festival „Da sitzt die Wirtschaftsmacht von morgen“

Bonn · Es ist nicht neu, aber bleibt relevant: Der Anteil der Gründerinnen in Deutschland ist noch immer gering. Das liegt unter anderem daran, dass Frauen mehr Wert auf Sicherheit legen. Beim Female Founders Festival in Bonn gab es Anregungen, trotzdem zu gründen.

 Moderatorin Zoe Nogai diskutiert mit Vanessa Didam, Hana Kühr-Hashemi, Nicole Osmenda und Lisa Bierbrauer (v. l. n. r.).

Moderatorin Zoe Nogai diskutiert mit Vanessa Didam, Hana Kühr-Hashemi, Nicole Osmenda und Lisa Bierbrauer (v. l. n. r.).

Foto: Simon Hecht

Yvonne Wegner weiß schon lange, dass sie gründen möchte. Es hat nur etwas gedauert, bis sie die zündende Idee hatte: Bastelboxen für Ostern, Weihnachten und alle Feiertage dazwischen. „Ein bisschen wie HelloFresh – nur im Kreativbereich“, sagt die studierte Betriebswirtin aus Köln. Statt Kochrezepten gibt es Bastelanleitungen, statt Gemüse, Nudeln und Gewürzen möchte sie den Kunden Holz, Wolle oder getrocknete Blumen zuschicken. Daraus können sie dann die passende Deko zum anstehenden Feiertag zaubern. Kleine Osterhasen zum Beispiel. Oder Nikoläuse. Wegner hat auch schon einen genauen Plan und überlegt, ihr Unternehmen selbst zu finanzieren. Was ihr aber noch fehlt: Eine Co-Gründerin.

Die sucht sie auf dem ersten Female Founders Festival am Freitag in Bonn, das vom Digitalhub Bonn und der Gründerinnenplattform „Who In“ veranstaltet wird. 20 Gründerinnen erzählen auf der Bühne über ihre Erfahrungen und geben Tipps für Einsteigerinnen. 150 Frauen sind gekommen, um zuzuhören – und sich zu vernetzen. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) ist für die Begrüßung live zugeschaltet und ermutigt sie: „Besonders in diesen Krisenzeiten brauchen wir jede gute Idee und deshalb wollen wir als NRW-Wirtschaftsministerium für Sie die besten Strukturen schaffen, um sie auch umzusetzen“, sagte sie. Teilzeitgründungen sollten einfacher möglich gemacht werden und Stipendien gerecht auf alle Geschlechter verteilt. Frauen müssten mitentscheiden dürfen, wohin das Geld für junge Unternehmen gehe und sie sollten, so Neubaurs Appell, „tolle Netzwerke“ gründen.

Genau darum geht es Veranstalterin Svenja Bremer von „Who In“ an diesem Tag auch. Sie möchte Frauen mit ihren Ideen zusammenbringen. „Wir haben noch immer zu wenige Gründerinnen“, sagt sie. Und das liege zu einem großen Teil daran, dass Frauen sich nicht trauten, obwohl so viel Potenzial in ihnen stecke. Als sie später auf der Bühne steht, rät sie ihrem Publikum, die verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen. Nicht jeder müsse ein eigenes Unternehmen gründen. Wer für eine Idee brenne, könne sich auch mit jemandem zusammentun, der ebenso begeistert sei.

 In dem Zuge wirbt Bremer auch dafür, sich mit Yvonne Wegner zusammenzusetzen. Die kann ihr Glück kaum fassen: „Ich suche eine Frau, die den analytischen Part übernimmt – also alles, was die Lieferketten-Prozesse angeht zum Beispiel“, sagt Wegner. Sie sei eher der kreative Kopf. Nach dem Programm mischt sie sich unter die Frauen. Sie ist fest entschlossen, den nächsten Schritt jetzt endlich zu machen. Und hofft, zur Weihnachtszeit 2023 mit ihrem Shop online gehen zu können.

Dazu passt auch einer der letzten Sätze in Neubaurs Begrüßungsrede. Als die Kamera aufs Publikum schwenkt, sagt sie: „Da sitzt die Wirtschaftsmacht von morgen.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort