Preisträger „Wirtschaft im Wandel“ Virtueller Rundgang durchs Familienunternehmen

Köln · Die Kunststoff-Kugellager von Igus findet man überall im Alltag wieder: Ob im Kühlschrank-Scharnier oder an der Autokupplung. In der Pandemie hat sich das erfolgreiche Kölner Unternehmen digital breiter aufgestellt.

Igus stellt Maschinenbauteile aus Kunststoff her.

Igus stellt Maschinenbauteile aus Kunststoff her.

Foto: Igus

Als Günter und Margret Blase 1964 ihr Unternehmen Igus in Köln gründeten, mangelte es ihnen an vielem: Geld, Kunden und einer Spritzgussmaschine, um Kugellager aus Kunststoff herzustellen. Dafür warteten zu Hause ihre zwei Kinder, für die sie sorgen mussten. Günter Blase setzte alles daran, seinen ersten Kunden zu gewinnen. „Geben Sie mir Ihr schwierigstes Teil und ich finde eine Lösung“, sagte er zum Management des Neusser Autoteileherstellers Pierburg.

Das „schwierigste Teil“ sah aus ein kleiner Pilz, war aber ein Ventilkegel für Fahrzeugvergaser. Bislang hatte es noch niemand aus Kunststoff herstellen wollen – die Fertigung schien zu kompliziert. Blase schreckte das nicht ab. Er zog sich in seine Doppelgarage zurück und experimentierte so lange, bis er es geschafft hatte. Das war der Startschuss für Igus‘ Erfolg. Sechs Jahre später fertigte Blase die erste Energiekette aus Polymeren für einen Textilfabrikanten an, weitere sechs Jahre später zog das Unternehmen nach Bergisch Gladbach, weil die Garage zu klein geworden war. Heute beschäftigt Igus mehr als 2500 Mitarbeiter, forscht und produziert in Köln-Mülheim, baut direkt gegenüber eine weitere große Fabrikhalle und machte 2021 einen Umsatz von einer Milliarde Euro. Und es stellt noch immer Maschinenelemente aus Kunststoff her. „Wenn Sie heute den Kühlschrank geöffnet haben oder die Duschkabine, haben sie wahrscheinlich schon Gleitlager von uns verwendet“, sagt Geschäftsführer Tobias Vogel.

In der Pandemie ist Igus erfinderisch geworden: Die Firma hat ein Mitarbeiter-Portal geschaffen, seine Produktion und einen Messestand abgefilmt und mit Erläuterungen ins Netz gestellt. Kunden können sich die Produkte auf der Webseite anschauen und die Preise berechnen lassen. Bis 2025 möchte das Unternehmen klimaneutral sein.

Das hat die Jury vom Wettbewerb „Wirtschaft im Wandel“ überzeugt, der von der Rheinischen Post, der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und dem General-Anzeiger Bonn alles zwei Jahre ausgerichtet wird. Igus gewinnt – gemeinsam mit Covestro – einen Preis in der Kategorie Mittelstand und Konzerne.

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