Wesel: NRW will weniger Frühchen-Kliniken

Wesel: NRW will weniger Frühchen-Kliniken

Kliniken kritisieren Pläne des Landes für Risikoschwangerschaften.

Neue Pläne des NRW-Gesundheitsministeriums sorgen für Kritik bei zahlreichen Kliniken im Land. Mit dem aktuellen Krankenhausplan ist vorgesehen, die Zahl der Frühchen-Zentren zu reduzieren. Bei Risikoschwangerschaften würden Eltern also künftig weitere Fahrten in weiter entfernte Spezialzentren in Kauf nehmen müssen. "Die gesamte Geburtshilfe in NRW ist deshalb in Aufruhr", sagte gestern Dieter Morlock, Geschäftsführer des Krankenhausträgers Pro Homine am Niederrhein, zu dem unter anderem das Marienhospital in Wesel und das St. Willibrord-Spital Emmerich-Rees gehören.

Zum Hintergrund: Die Geburtshilfe-Kliniken in NRW sind bisher in Kategorien eingeteilt: Es gibt die Perinatalzentren der Level 1 oder 2, dazu Kliniken mit perinatalem Schwerpunkt oder ganz normale Geburtskliniken (perinatal = "um die Geburt herum"). Die Kliniken des Levels 1 übernehmen derzeit die maximale Versorgung für extrem früh geborene Babys. Dort werden bisher Neugeborene betreut, die mit Beginn der Lebensfähigkeit in der 22. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, bis zum Geburtsgewicht von 1250 Gramm. Nach der 29. Woche dürfen auch die Zentren des Levels 2 die Kinder versorgen. Das Land plant nun, die Stufeneinteilung abzuschaffen und Risikoschwangerschaften mit Neugeborenen unter 1500 Gramm fast ausnahmslos den Perinatalzentren des früheren Levels 1 zuzuordnen. Für Patienten aus Wesel würde dies etwa bedeuten, dass sie im Falle einer Risiko-Schwangerschaft - Mehrlingsgeburten, ältere Schwangere oder Vorerkrankungen - weitere Wege in Kauf nehmen müssten, etwa nach Krefeld oder Duisburg.

  • Höchste Versorgungsstufe : Moers jetzt Frühchen-Zentrum für den gesamten Kreis Wesel?

Bisher gibt es in Nordrhein-Westfalen 16 spezialisierte Kliniken des Levels 1 für Risikoschwangerschaften, keine aber am unteren Niederrhein. Mit wie vielen solcher Spezialkliniken das Land künftig plant, ist offen. Die Bezirksregierung wollte sich vor Abschluss des Verfahrens noch nicht äußern. Mehrere Geburtshilfe-Kliniken drängen auf Veränderungen: Für sie haben die Landespläne auch finanzielle Auswirkungen.

(RP)