Diesel ist in Bonn besonders billig Sinkende Spritpreise machen NRW-Autofahrern Hoffnung

Düsseldorf · Die gesunkenen Ölpreise machen das Tanken viel günstiger. Gerade am Nachmittag können Autofahrer davon profitieren. Aber ein Experte warnt vor möglichen Preiserhöhungen in naher Zukunft.

 Tanken ist in NRW günstiger geworden.

Tanken ist in NRW günstiger geworden.

Foto: dpa/Marijan Murat

Wie sieht es bei den Spritpreisen in NRW aus? „Wenn ich an einer Tankstelle vorbeifahre“, sagt Thomas Müther, Sprecher des ADAC Nordrhein, „ist der Trend sehr erfreulich. Super E10 ist am späten Nachmittag an manchen Orten wie Essen oder Köln für weniger als 1,60 Euro je Liter zu erhalten. Der Dieselpreis pendelt am Tag oft zwischen 1,74 Euro und 1,80 Euro. Am Abend wird es für die Autofahrer auch beim Diesel noch ein bisschen günstiger.“ Er ergänzt: „Inzwischen sind die Spritpreise trotz regionaler Unterschiede an vielen Tankstellen sogar niedriger als größtenteils während der Phase des Tankrabatts zwischen Juni und August.“

Die Hochpreiswochen am Spritmarkt sind zu Ende. Dies zeigt sich an allen Zapfsäulen in NRW. „Das entlastet die Bürger schon etwas“, sagt Wolfgang Schuldzinski, Chef der NRW-Verbraucherberatung, „das Pendeln ist nun nicht mehr ganz so teuer, obwohl die hohen Energiepreise insgesamt noch immer schwer zu schaffen machen.“ Ähnlich sieht dies Oliver Krauss, verkehrspolitischer Sprecher der CDU im Landtag: „Viele Menschen gerade bei uns in NRW sind auf das Auto angewiesen. Da ist es gut, wenn vor allem Berufspendler durch die Preise an der Zapfsäule weniger belastet werden. Von sinkenden Spritpreisen profitiert zugleich der ÖPNV: Wir wollen Bus und Bahn attraktiver machen, da hilft es, wenn das Betanken von dieselbetriebenen Fahrzeugen günstiger wird.“

Die bundesweiten Preise liegen etwas höher, als die Beispiele für NRW zeigen, aber der Trend ist ähnlich. So kostete laut ADAC Super E10 in den sieben Tagen bis Mittwoch dieser Woche im Bundesdurchschnitt 1,739 Euro – das ist ein Minus von fast fünf Cent gegenüber der Vorwoche, ein Minus von 32 Cent im Vergleich zu März und Mai. Diesel liegt mit einem Schnitt von 1,843 Euro so niedrig wie nie seit dem Höchststand im März des Jahres mit zeitweise 2,14 Euro. Wirklich günstig ist das aber nicht: Laut ADAC lagen die Durchschnittspreise für Diesel in keinem Jahr der vergangenen zehn Jahre oberhalb von 1,48 Euro pro Liter, noch im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche Notierung bei 1,385 Euro pro Diesel.

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Foto: Continental

Der Hauptgrund für das Abrutschen der Preise sind die sinkenden Notierungen für Öl. Weil die Weltkonjunktur schwächelt und weil China immer neue Corona-Lockddowns verhängt, rutschte der Preis für ein Fass Öl (159 Liter) der Nordseemarke Brent um 30 Prozent auf 88 Dollar ab. Das ist zwar noch immer doppelt so hoch wie die Preise an vielen Tagen im Jahr 2020, doch es gibt wenige Anzeichen für eine massive neue Steigerung: Die EU und die G7-Staaten planen einen Preisdeckel für Öl bei 60 Dollar, auch um Russland wegen des Ukraine-Überfalls zu schaden. Umgekehrt könnte das in mehreren Stufen geplante Ölembargo der EU gegen Moskau das Angebot etwas senken – gerade in Ostdeutschland könnte das Ende des Nachschubs zur Raffinerie Schwedt für Knappheit sorgen, während NRW über Rotterdam gut versorgt wird. „Dann könnten die Rohölnotierungen wieder steigen – und damit auch die Kraftstoffpreise“, warnt jedoch Steffen Bock, Chef vom Portal Clever-Tanken.de.

Auf dem Weltmarkt versucht derweil das Lieferkartell Opec+, also die Opec inklusive weiterer Förderländer wie Russland, einen weiteren Preisverfall zu verhindern. „Unter dem Strich will die Opec+ einen Preis über 90 Dollar pro Barrel sehen“, sagt Gábor Vogel, Rohstoffexperte bei der DZ-Bank.

Wie geht es nun weiter, wie können Autofahrer agieren? „Es ist immer vernünftig, die Preise an den Tankstellen mit einer App zu vergleichen“, sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. „Das preisbewusste Tanken vieler Autofahrer stärkt den Wettbewerb“, sagt ADAC-Mann Müther. Grundsätzlich gelte: „Wer abends zwischen 20 und 22 Uhr tankt, kann im Schnitt rund zwölf Cent je Liter im Vergleich zu den Morgenstunden sparen.“ Düsseldorf sei häufig relativ teuer, der Preisvergleich lohne immer.

Laut Clever-Tanken.de war Bonn im November günstigste Dieselstadt. 1,9256 Euro kostete der Liter dort im Monatsschnitt. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Bochum (1,9316 Euro) und Köln (1,9390 Euro). Mit 2,0210 Euro pro Liter am teuersten war Diesel im November in Leipzig, gefolgt von Hannover (1,9957 Euro).

Der ADAC sieht bei den Dieselpreisen viel Luft nach unten. „Für einen Liter Diesel fallen rund 20 Cent weniger Steuer an, tatsächlich liegt der Dieselpreis um rund zehn Cent über dem von Super E10“, sagt Müther. Umgekehrt kaufen viele Unternehmen wie Henkel mehr Heizöl als früher, um Gas zu ersetzen. Und weil Heizöl und Diesel nahezu identisch sind, sorgt diese höhere Nachfrage auch zu etwas höheren Dieselpreisen im Vergleich zu früher.

Drei Nebeneffekte hat der aktuelle Trend :Die allgemeine Inflationsrate ist im November von 10,4 Prozent wieder leicht auf 10,0 Prozent gefallen – ein wichtiger Grund waren wieder günstigeren Preise an den Tankstellen. Der Preis für Heizöl ist seit August um fast ein Drittel lauf 125 Euro für 100 Liter im Rheinland gesunken, vergangenes Jahr waren aber meistens nur rund 80 Euro fällig. Und weil Kerosin wieder deutlich günstiger geworden ist, schießen die Flugpreise ab Düsseldorf und Köln-Bonn aktuell weniger stark in die Höhe.