NRW führt für rund 80 Euro ein Abubi-Ticket ein. Handwerker wollen es bezuschussen.

Vorteil für 300.000 Azubis in NRW : Steuervorteil für Azubi-Ticket

Handwerker wollen das künftige NRW-Ticket für Azubis bezuschussen.

Parteien, Wirtschaft und Gewerkschaftsjugend begrüßen das am Mittwoch vorgestellte neue Azubi-Ticket für NRW, doch der Preis von monatlich rund 80 Euro für ein Abo wird teilweise deutlich kritisiert. Dabei will das Handwerk das Ticket nutzen, um Auszubildende zu ködern, sagte Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer NRW: „Ich gehe davon aus, dass viele Betriebe das Azubi-Ticket bezuschussen. Immerhin werben sie damit um gute Leute und können die Kosten steuerlich geltend machen.“

Der Clou dabei: Alle Arbeitnehmer, also auch Auszubildende, müssen seit Januar solche ÖPNV-Zuschüsse nicht mehr versteuern, sofern das Geld zusätzlich zum Lohn fließt. Allerdings werden erhaltene Zuschüsse mit den Werbungskosten für Fahrtkosten verrechnet, sofern solche angegeben werden.

Die Entscheidung des Landes für das Azubi-Ticket unterteilt sich in zwei Teile: Erstens wurde der Verkehrsverbund Nahverkehr Westfalen-Lippe mit einem Zuschuss von 2,5 Millionen Euro (in 2019, ab 2020 jeweils pro Jahr vier Millionen Euro) dazu gebracht, so wie schon die Verkehrsverbünde Rhein-Ruhr (VRR), Rhein-Sieg (VRS) und Aachen (AVV) ein im jeweiligen Gebiet gültiges Azubi-Ticket anzubieten.

Erst auf dieser Basis können die 300.000 Auszubildenden in allen Landesteilen zuerst ein regionales Verbundabo buchen (VRR 61,30 Euro, VRS 60,70 im Monat, AVV 62 Euro) und dann den landesweiten Zuschlag von 20 Euro als Sahnestück bestellen. Das ist aus Sicht von Pendlern attraktiv: So kostet es aktuell 54,90 Euro im Monat, wenn ein Auszubildender sein VRR-Abo in den VRS ausdehnt, in Aachen müssen die Kunden des Azubi-Abos ein weiteres Abo für VRR oder VRS abschließen. „Wenn diese Zusatzkosten sinken“, sagt Handwerkspräsident Ehlert, „dann fällt Azubis das Pendeln zu einem entfernt liegendem Ausbildungsbetrieb leichter.“

Insbesondere hofft er, mehr junge Leute aus dem strukturschwachen Ruhrgebiet dazu bringen zu können, Ausbildungsstellen im Rheinland oder in Westfalen anzunehmen. Das sieht auch der aus Rhede kommende Wüst so. „Ausbildung darf nicht an Verbundgrenzen scheitern.“

Angesichts des Preises von rund 80 Euro weisen die Grünen daraufhin, dass es in Hessen ein landesweit gültiges Azubi-Abo für einen Euro am Tag gibt. Die IHK NRW fragt, ob der Preis „angesichts der finanziellen Möglichkeiten von Auszubildenden richtig angesetzt ist.“ Eric Schley, Jugendsekretär des DGB NRW bezeichnet die 80 Euro als „sehr viel Geld für Auszubildende.“ Und die NRW-SPD meint, es sei zu wenig, nur fünf Millionen Euro für dieses Jahr und dann pro Jahr knapp zehn Millionen Euro an Zuschuss einzuplanen: „Das Azubi-Ticket ist eine Mogelpackung.“

Sehr schlecht kommt an, dass Studenten in NRW ein landesweites NRW-Ticket für 34 Euro im Monat erhalten, doch abseits der Hochschulen ist mehr als das Doppelte fällig. Wüst erklärt, die Unis würden Verträge für alle Studenten abschließen. Doch weil ein großer Teil dieser Zwangs-Zahler Bus und Bahn nicht nutzen, könnten die Verkehrsfirmen einen niedrigen Preis pro Kopf kalkulieren. Bei den Azubis sei die Logik umgekehrt: Weil das Angebot freiwillig sei, würden es nur tatsächliche ÖPNV-Nutzer buchen. Handwerkschef Ehlert: „Es ist gut, dass das Azubi-Ticket freiwillig ist.“ Denn bei einem Zwangs-Abo müssten sogar Azubis von Firmen zahlen, zu denen kein Bus fährt.