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Düsseldorf: NRW-Firmen von Spionage bedroht

Düsseldorf : NRW-Firmen von Spionage bedroht

Sachverständige raten im Landtag den Unternehmern dringend zu mehr IT-Sicherheit und fordern politischen Druck auf den Verfassungsschutz.

Vertreter aus Wirtschaft und Sicherheit empfehlen den nordrhein-westfälischen Unternehmen mehr Investitionen in IT-Sicherheit und ein größeres Bewusstsein für den Schutz ihres Fachwissens, um den technischen Vorsprung vor gezielter Spionage zu bewahren. In einer Anhörung im NRW-Landtag gaben gestern mehrere Sachverständige Auskunft zum Thema Wirtschaftsspionage und über mögliche Gegenmaßnahmen.

Obwohl in Deutschland kein einziges gerichtliches Verfahren wegen entsprechender Delikte läuft, gebe es keinen Zweifel an organisiertem Daten-Klau. "Wenn es die technischen Mittel gibt, Unternehmen auszuspähen, und verbindliche Zusagen fehlen, diese Möglichkeiten nicht zu nutzen, müssen wir davon ausgehen, dass Spionage stattfindet", sagte Jürgen Schmidt von der Online-Sicherheitsfirma "Heise Security".

Steffen Zimmermann vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer konkretisierte dies: "Wir haben mehrere Hinweise auf Wirtschaftsspionage, deren Spuren nach China, Russland und in den Nahen Osten führen." Dass, wie vom Verfassungsschutz behauptet, kein Verdacht auf derlei Aktivitäten vorliegt, liege daran, dass gegen befreundete Staaten dahingehend schlicht nicht ermittelt wird. Er forderte die Politik dazu auf, mehr Druck auf die Behörde auszuüben und die Unterscheidung zwischen befreundeten und nicht-befreundeten Staaten aufzuheben.

Hubert Martens von "Networker NRW" riet dem Parlament zur Installation eines eigenen IT-Sicherheitsbeauftragten, um eine Anlaufstelle für entsprechende Fälle zu schaffen. Der Abgesandte vom Ministerium für Inneres und Zuständige für den Verfassungsschutz, Burkhard Freier, bemängelte die niedrige Meldequote von betroffenen Unternehmen. Diese würden um ihren Ruf bangen, was die Arbeit der Behörde erschwere und es unmöglich mache, die Methoden bei Wirtschaftsspionage zu erkennen. Schutz gegen Spionage sei in erster Linie Sache der Unternehmen selbst. Vor allem viele mittelständische Unternehmen in NRW hätten keinen ausreichenden Notfallplan im Falle eines Spähangriffs und seien gegen solche schlecht gerüstet.

Grundsätzlich fehle vielen sowohl das Bewusstsein als auch das Budget, um ihr Know-how ausreichend gegen Spionage zu schützen, so Markus Schaffrin vom Verband der deutschen Internetwirtschaft aus Köln.

Alle Sachverständigen halten eine Kombination aus einer Sensibilisierung der Fimen, einer engeren Zusammenarbeit zwischen diesen und der Justiz und ein Ende standardisierter Verschlüsselungen mit Hintertür für Geheimdienste für angebracht. Eine allgemeine Meldepflicht bei Spionagefällen für Unternehmen lehnen die Experten ab.

(RP)