Fehlende Transparenz bei Gehältern: NRW-Finanzminister kritisiert die Sparkassen

Fehlende Transparenz bei Gehältern : NRW-Finanzminister kritisiert die Sparkassen

NRW-Finanzminister Walter-Borjans macht Druck: Die Sparkassen sollen endlich die Gehälter ihrer Chefs offenlegen. Viele verdienen mehr als die Bundeskanzlerin, die Sparkasse Düsseldorf zahlt sogar mehr als das Doppelte.

Norbert Walter-Borjans (SPD) ist der Kragen geplatzt. In einem persönlichen Brief an die Präsidenten der beiden NRW-Sparkassenverbände, Michael Breuer und Rolf Gerlach, schrieb der NRW-Finanzminister: "Eine Auswertung der im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschlüsse für das Geschäftsjahr 2011 ergab, dass eine Reihe von Sparkassen die Transparenzvorschriften ganz oder teilweise immer noch nicht erfüllt. Ein solches Verhalten ist nicht akzeptabel." Es müsse "selbstverständlich sein, dass Verantwortliche im öffentlichen Bereich Transparenz bei ihrer Vergütung zeigen", so der Minister in seinem Schreiben vom 25. März.

Seit 2009 fordert das Transparenzgesetz von den Sparkassen in NRW, "die gewährten Bezüge jedes einzelnen Mitglieds des Vorstands, des Verwaltungsrates und ähnlicher Gremien unter Namensnennung" zu veröffentlichen. Mit der Umsetzung lassen die Kassen sich Zeit. Laut Finanzministerium haben 2011 nur 44 NRW-Sparkassen die Auflagen voll erfüllt. 29 machten unvollständige und 32 gar keine Angaben. Für 2012 liegt dem Ministerium noch keine Übersicht vor.

Aber es ist guter Hoffnung. Immerhin hätten "bereits mehrere Sparkassen signalisiert, ebenfalls transparent zu werden". Die Sparkasse Duisburg zum Beispiel, die das drei Jahre alte Gesetz noch vor wenigen Wochen ignoriert hat. Aber inzwischen gibt auch Duisburg dem Düsseldorfer Druck nach: Vorstandschef Hans-Werner Tomalak verdiente im vergangenen Jahr inklusive geldwerter Vorteile 545.000 Euro. Damit liegt er im obersten Spektrum der 105 NRW-Sparkassen. Viele Chefs vor allem kleinerer Sparkassen beziehen Jahresgehälter deutlich unter 200.000 Euro.

Viele Sparkassen-Chefs verdienen mehr als die Kanzlerin

Vorbehaltlich der Sparkassen, die sich dem Transparenzgesetz noch immer verweigern, liegt das durchschnittliche Sparkassen-Chef-Gehalt in NRW bei knapp unter 320.000 Euro. "Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin" — für diesen Satz wurde SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Dezember scharf kritisiert. Aber in der Sache hat er recht: Die Kanzlerin verdient inklusive ihrer Bezüge als Abgeordnete knapp 300.000 Euro.

Höhere Gehälter zahlen ihren Chefs die Sparkassen Düsseldorf (664.000 Euro), KölnBonn (578.000 Euro), Münsterland Ost (593.000 Euro), Westmünsterland (484.000 Euro), Neuss (445.000 Euro), Steinfurt (411.000 Euro), Moers (312.000 Euro) und Gelsenkirchen (314.000 Euro, alle Angaben für das Jahr 2011). Die Präsidenten der beiden Sparkassen-Dachverbände in NRW haben im Jahr 2011 inklusive aller Zulagen 535.000 Euro (Michael Breuer, Rheinischer Sparkassen- und Giroverband) und über 600.000 Euro (Rolf Gerlach, Sparkassenverband Westfalen-Lippe) verdient. Zum Vergleich: NRW-Finanzminister Walter-Borjans selbst bekommt inklusive sämtlicher Zulagen einschließlich Kindergeld knapp 184.000 Euro im Jahr.

Die Sparkassen-Verbände kämpfen gerade mit Macht gegen ein Gesetz an, das sie eigentlich längst zur Fusion zwingt. Finanziert werden sie von den NRW-Sparkassen. Obwohl die Sparkassen durch die Fusion jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen würden, unterstützen sie die Verbände im Kampf gegen die Fusion. Insider erklären das mit den hohen Gehältern der Sparkassen-Chefs: Die richten sich nämlich fast ausschließlich nach den Empfehlungen der beiden Verbände.

(RP)
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