Düsseldorf: NRW-Bahnprojekte verzögern sich

Düsseldorf: NRW-Bahnprojekte verzögern sich

Die Hälfte seiner Arbeitszeit will sich Bahn-Chef Rüdiger Grube nach seinen eigenen Worten um die Beschäftigten des Konzerns kümmern. Gestern hatte er einen besonders angenehmen Teil dieser Aufgabe zu erledigen: Gemeinsam mit NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann begrüßte er die neuen Lehrlinge. Landesweit fangen 660 junge Leute bei der Bahn an, 20 Prozent mehr als 2010. Pro Jahr sucht das Unternehmen bis zu 7000 neue Mitarbeiter. Die Bahn sei von einem restrukturierenden zu einem rekrutierenden Konzern geworden, sagt Grube.

Weniger gute Nachrichten hatte der Bahn-Chef von den beiden wichtigsten Bahnprojekten in NRW im Gepäck. Der Termin 2015 für das dritte Gleis und den Lärmschutz zwischen Emmerich und Oberhausen (Fortsetzung der von Rotterdam kommenden Betuwe-Linie) sei nicht zu halten.

Zur Begründung verweist die Bahn darauf, dass alle Genehmigungsverfahren zum Lärmschutz neu aufgerollt werden mussten. Das Erste sei erst kürzlich neu auf den Weg gebracht worden; derartige Verfahren könnten bis zu drei oder vier Jahre dauern. Grube betonte, für die Bahn sei der Ausbau der Betuwe-Verlängerung "extrem wichtig", um den wachsenden Verkehr von Rotterdam Richtung Süden bewältigen zu können. Ihm sei auch klar, dass dieses Mehr an Güterzügen für die Anwohner nur bei deutlichen Fortschritten beim Lärmschutz zu ertragen sei.

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Grube dämpfte auch beim wichtigsten Regionalverkehrsprojekt, dem Rhein-Ruhr-Express (RRX) die Hoffnungen. Wenn der schnelle Zug 2020 zwischen Köln und Dortmund im Viertelstundentakt fahren solle, müssten einige Leute "noch ein paar Kohlen mehr auflegen". Wobei dies fast wörtlich zu nehmen ist. Von den Gesamtkosten des Projekts (mindestens 2,2 Milliarden Euro) sind bislang erst 130 Millionen Euro zugesagt für die ersten acht Ausbau-Kilometer bei Leverkusen.

Mit zuverlässigeren Zügen und besser ausgebauten Strecken will Grube die Pünktlichkeit verbessern. Weil die Zahl der Selbstmörder, die sich vor einen Zug werfen, seit Jahren wächst und damit auch die Zahl der Streckensperrungen, dringt die Bahn darauf, dass die Ermittlungsbehörden dem baden-württembergischen Vorbild folgen. Dort gelingt es nach Grubes Worten, die Streckensperrung auf wenige Stunden zu begrenzen.

(RP)
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