München: Nokia Siemens streicht 2900 Jobs in Deutschland

München : Nokia Siemens streicht 2900 Jobs in Deutschland

Im November hatte das finnisch-deutsche Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) den Abbau von 17 000 seiner insgesamt 74 000 Stellen angekündigt, jetzt wird es konkret. Und den Standort Deutschland trifft es besonders hart, den hier sollen bis Ende dieses Jahr 2900 Arbeitsplätze wegfallen, fast ein Drittel der 9100 Jobs. Von den derzeit 35 Standorten sollen nur fünf übrigbleiben, und zwar in Berlin, Bonn, Bruchsal, Düsseldorf und Ulm. Sie könnten von der Umstrukturierung profitieren, denn die bislang größte Niederlassung mit ihren 3600 Beschäftigten in München soll geschlossen werden. 2000 Stellen werden dort gestrichen, 1600 Mitarbeitern sollen Arbeitsplätze an den verbleibenden Standorten angeboten werden.

In NRW ist Nokia Siemens Networks in Bonn, Düsseldorf, Essen und Münster vertreten. Von Bonn und Düsseldorf werden die wichtigen Kunden Deutsche Telekom, Vodafone und E-Plus betreut. Sie stehen für 80 Prozent des Umsatzes von NSN Deutschland. Die beiden verbleibenden NRW-Standorte mit 25 und 750 Mitarbeitern könnten durch die Umstrukturierung wachsen,vor allem Düsseldorf, wo NSN Lösungen für den Mobilfunk der vierten Generation (LTE) entwickelt und testet. Aus Essen und Münster zieht sich NSN zurück.

"Düsseldorf ist unser wichtigster Standort, weil in NRW 80 Prozent unseres Geschäftes erwirtschaftet werden", sagte eine Sprecherin. "Daher werden Mitarbeiter aus Standorten, die geschlossen werden, nach Düsseldorf verlegt." Einen Stellenabbau, vor allem in der Verwaltung, wollte sie aber auch für Düsseldorf nicht grundsätzlich ausschließen.

"Wir müssen diesen schwierigen Schritt machen, um sicherzustellen, dass Nokia Siemens Networks ein wirtschaftlich nachhaltiges Unternehmen ist", sagte NSN-Deutschland-Chef Hermann Rodler. Gesamtbetriebsratschef Georg Nassauer sagte unserer Zeitung: "In dieser Größenordnung und so brachial kommen die Pläne der Unternehmensleitung doch unerwartet."

NSN war 2007 aus dem Zusammenschluss von Siemens Networks und Nokia Networks Business entstanden. Die Mutterkonzerne besitzen je 50 Prozent der Anteile, die geschäftliche Führung liegt bei Nokia. Das Joint Venture kämpft seit seiner Gründung mit Problemen. Keine Maßnahme half bisher. "Es war ein Fehler, dass damals Nokia die Unternehmensführung übertragen wurde. Die haben genug andere Probleme", sagt Nassauer mit Anspielung auf den massiven Rückgang des einstigen Branchenprimus auf dem Handymarkt.

Die IG Metall hat für heute eine Demonstration vor dem NSN-Vorstandsgebäude angekündigt. Ende der Woche ist der Stellenabbau Thema im Wirtschaftsausschuss.

(RP)