Neues Huawei-Smartphone ohne Google-Dienste

Telekommunikation : Neues Huawei-Smartphone ohne Google-Dienste

Software is King, Software entscheidet über den Verkaufserfolg. So lautet eine alte Weisheit in der Hightech-Welt rund um Smartphones und Computer. Doch nun zeigte sich in München, wie sehr der Boykott der USA Chinas größten Smartphone-Hersteller Huawei trifft.

Der Konzern präsentierte ein neues Spitzenmodell, das als reines Gerät wohl jedes andere Edelhandy schlagen könnte: Die Kamera hat vier Objektive, Ultraweitwinkel und Telezoom. Auch bei wenig Licht sind exzellente Aufnahmen möglich, zeigte die Präsentation. 14 Antennen für den Mobilfunkempfang sind integriert. Der Akku wird besonders schnell geladen. Das kann Preise ab 799 Euro rechtfertigen, ein Spitzenmodell kostet sogar etwas mehr als 2000 Euro.

Doch trotz der guten Ausstattung ist damit zu rechnen, dass Huawei mit dem Gerät eine Pleite erleben wird. Ein Verkaufspreis in US-Dollar wurde erst gar nicht genannt, die USA boykottieren Huawei bekanntermaßen seit Wochen. Aber auch in Europa ist nicht von einem großen Interesse der Kunden auszugehen. Denn wegen des US-Boykotts hat Huawei vom global führenden Betriebssystem Android nur die Basisversion aufgespielt, die jedermann ohne Lizenz von Google nutzen darf. Doch es fehlen sowohl der Google Playstore und wichtige Apps wie Google-Maps oder Youtube, weil Google dafür die Lizenz verweigern musste. Nutzer können sich zwar diese Apps jeweils einzeln herunterladen, aber das scheint relativ schwer zu sein.

Zwei der drei großen Netzbetreiber in Deutschland haben bereits erst einmal abgewunken, das neue Spitzenmodell über ihre Shops zu verteilen. „Die Telekom hat sich entschieden, die neuen Huawei-Mate-30-Modelle vorerst nicht in ihr Produktportfolio aufzunehmen“, erklärte der Bonner Konzern. Vodafone aus Düsseldorf gibt sich ebenfalls zurückhaltend. Auch ein denkbarer Vertrieb über Handelsketten wie Media Markt dürfte keinen Durchbruch bringen: „Huawei bekommt ein großes Problem, wenn es seine Smartphones ohne Google-Dienste verkaufen will“, sagt Annette Zimmermann, Analystin beim Marktforscher Gartner.

Wie schwer es Huawei ohne Googles Appstore hat, zeigt diese Zahl: Die konzerneigene „Huawei App Gallery“ beinhaltet mehr als 11.000 Anwendungen, der Playstore von Google 2,7 Millionen. Huawei will nun eine Milliarde Dollar verteilen will, damit Entwickler ihre Apps für die Chinesen anpassen.

Ein Ziel ist in weite Ferne gerückt: Eigentlich wollte Huawei dieses Jahr Samsung als Weltmarktführer bei Smartphones ablösen.„Wir haben dieses Ziel auf das nächste oder übernächste Jahr verschoben“, heißt es in München.

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