Hannover: Neuer Tui-Chef Joussen kündigt Einschnitte an

Hannover: Neuer Tui-Chef Joussen kündigt Einschnitte an

Der neue Tui-Chef Fritz Joussen will den Umbau von Europas größtem Tourismuskonzern beschleunigen. Das sagte der 49-Jährige, der bis vergangenen Herbst noch von Düsseldorf aus das Deutschlandgeschäft des Mobilfunkers Vodafone geführt hat, gestern auf der Tui-Hauptversammlung. "Meine Geduld hört dort auf, wo die Performance der einzelnen Unternehmensteile nicht stimmt", rief er den Aktionären und Mitarbeitern zu. Tui müsse schlanker sowie kapital- und kosteneffizienter werden. Dabei habe eine Online-Offensive, mit der Tui den Internet-Verkauf stärken will, oberste Priorität. Die Aktionäre begrüßten Joussen an seinem ersten offiziellen Arbeitstag als Chef der Tui mit höflichem Applaus.

Als sein Vorgänger Michael Frenzel zum letzten Mal das Wort an die Aktionäre richtete, herrschte hingegen eisiges Schweigen. Nach fast zwei Jahrzehnten im Chefsessel verabschiedet sich der ehemalige Banker mit den schlechtesten Quartalszahlen seit vier Jahren: Unter dem Strich stand ein Konzernverlust von 137 Millionen Euro.

Als Frenzel das Ruder 1994 bei Tui übernahm, war Helmut Kohl Bundeskanzler und die Tui hieß noch Preussag – ein siechender Bergbau und Stahlkonzern, den Frenzel zu einem völlig anderen Unternehmen umgebaut hat. Allerdings mit zu wenig Geradlinigkeit: Unter Frenzel kaufte und verkaufte Tui über 100 Unternehmen. Die häufigen Strategiewechsel haben die Aktionäre viel Geld gekostet: Während der Wert des Dax sich seit 1994 verdreifacht hat, trat die Tui-Aktie im selben Zeitraum inklusive aller Dividendenzahlungen auf der Stelle. Als Joussens härtester Gegner bei Tui gelten jetzt die verkrusteten Strukturen des Konzerns.

(tor)
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