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Itzehoe: Neuer Ärger um den Ex-Prokon-Chef

Itzehoe : Neuer Ärger um den Ex-Prokon-Chef

15 000 Investoren durften bei der Gläubigerversammlung nicht über die Sanierung abstimmen, weil sie einen Vertrauten von Ex-Konzernchef Rodbertus bevollmächtigt hatten. Die Anleger dürften kaum Geld wiedersehen.

Fast eineinhalb Milliarden Euro haben etwa 75 000 Anleger dem insolventen Windpark-Betreiber Prokon zur Verfügung gestellt. Seit das Unternehmen im Januar einen Insolvenzantrag stellte, bangen die Investoren um ihr Geld. Statt der gewaltigen Verzinsung von acht Prozent, die Prokon bei der Ausgabe von Genussscheinen versprochen hatte, ist jetzt für viele womöglich ein Großteil ihres Investments futsch. Das hat viele schon wütend gemacht. Und bei jedem fünften Gläubiger dürfte der Zorn gestern bei der Gläubigerversammlung noch gewachsen sein, weil er nicht darüber abstimmen durfte, ob und wie Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin Prokon sanieren soll.

Das indes hat einen triftigen Grund. Etwa 15 000 Anleger hatten einen Vertrauten des früheren Prokon-Chefs Carsten Rodbertus bevollmächtigt, für sie zu stimmen. Das heißt: Auf Umwegen wollte der vom Insolvenzverwalter in die Wüste geschickte frühere Spitzenmann der Prokon Regenerative Energien GmbH Einfluss nehmen. Die Aktionärsschützervereinigung DSW witterte einen Interessenkonflikt, klagte und bekam nach eigenen Angaben vor dem Amtsgericht Itzehoe Recht. Rodbertus, gegen den wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung das Amtsgericht Lübeck ermittelt, scheiterte offenbar mit dem Versuch der Machtübernahme. Allerdings fehlte gestern Abend noch die offizielle Bestätigung durch das Amtsgericht.

Das Hauen und Stechen bringt die Inhaber der Genussscheine ohnehin nicht weiter. Ihnen droht ein hoher Verlust, obwohl manche schon früh von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch machten. Weil der Windparkbetreiber die von diesen Investoren verlangten etwa 400 Millionen Euro nicht aufbringen konnte, gingen die Rückforderungen ins Leere. Die Kündigungswelle hatte die Prokon-Verantwortlichen seinerzeit so unter Druck gebracht, dass sie Investoren schriftlich dazu aufforderten, auf eine Kündigung der Genussrechte bis Ende Oktober 2014 zu verzichten, sich die Zinsen nicht auszahlen zu lassen und sie stattdessen in neue Genussrechte anzulegen. Andernfalls drohe die Insolvenz. Manche sprachen danach von "Erpressung". Am Ende halfen auch die Drohkulissen nicht.

Wie funktionieren Genussscheine? Im Grunde sind sie eine Mischform aus Aktien und Anleihen. Die Anleger geben dem Unternehmen Geld, mit dem dieses sein Wachstum finanzieren kann, und erhalten im Gegenzug regelmäßige Zinszahlungen. Das klingt wie bei Anleihen. Aber: Im Gegensatz zu Unternehmensanleihen können die Zinszahlungen zeitlich verschoben oder sogar komplett gestrichen werden - ähnlich wie die Dividende bei Aktionären. Zudem werden die Genussschein-Inhaber auch an Verlusten der Gesellschaft beteiligt, die bei Prokon mittlerweile in dreistelliger Millionenhöhe liegen.

Und: Die Genussscheine werden in der Regel nachrangig behandelt. Das heißt: Jene, die bei Prokon gezeichnet haben, bekommen in der Insolvenz erst dann Geld, wenn die Forderungen anderer Fremdkapitalgeber (beispielsweise Banken, die Kredite vergeben haben) befriedigt worden sind. Das Mitspracherecht im Unternehmen, das Aktionäre bei Hauptversammlungen immerhin noch ausüben können, war für sie als Genussschein-Inhaber eh nie vorhanden. Kein Wunder, dass Verbraucherschützer früh gegen das Prokon-Finanzierungsmodell wetterten, dass andere von einem Schneeball-System sprachen, bei dem im Konzern nur Geld intransparent hin und her geschoben werde. Was jetzt bleibt, ist die Hoffnung, dass Insolvenzverwalter Penzlin wenigstens einen kleinen Teil des Geldes zurückholt. Er will das Kerngeschäft und 300 von ehemals 450 Jobs erhalten. Nebenbereiche wie die Ölmühle und die Holzindustrie sollen verkauft und die Erlöse daraus der Insolvenzmasse zugeschlagen werden.

(RP)