Berlin: Neue Trassen kosten Stromkunden 22 Milliarden Euro

Berlin : Neue Trassen kosten Stromkunden 22 Milliarden Euro

Der Bau großer Nord-Süd-Stromtrassen muss trotz der jüngsten Ökostrom-Reform vorangetrieben werden. Der gestern vorgestellte Netz-Entwicklungsplan sieht zwar einige Änderungen vor, hält aber am Bau der großen Trassen fest. Das teilten die für den Ausbau zuständigen Netzbetreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW mit. In den nächsten zehn Jahren sollen 2800 Kilometer an neuen Höchstspannungsleitungen gebaut werden, zudem sollen 2900 Kilometer im bestehenden Netz optimiert werden.

Damit kommen auf Stromkunden Kosten von mindestens 22 Milliarden Euro zu. Kosten für Erdkabel noch nicht berücksichtigt. Die Netzagentur muss die Vorschläge nun prüfen. Dann werden Bundestag und Bundesrat beraten. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer kündigte weiteren Widerstand an. Er meinte gestern, das Hauptmotiv der Netzbetreiber sei der Profit.

Mit dem Ausbau soll Windstrom aus dem Norden und Braunkohle-Strom aus dem rheinischen Revier nach Süden kommen. Die Änderungen: Bei der 800 Kilometer langen Trasse "Suedlink" soll ein Abzweig bei Wendlingen verlagert werden, damit die Trasse näher an die Industrieregion Stuttgart rückt. In Mecklenburg-Vorpommern ist für den Windstrom eine Netzverstärkung geplant. Bei Gütersloh wird auf eine Höchstspannungstrasse verzichtet.

Auf den Streit um den Stromkonverter im Rheinland haben die aktuellen Änderungen des Netz-Entwicklungsplans keinen Einfluss. Ende November will Amprion den favorisierten Standort bekanntgeben. In Rede steht vor allem ein Gebiet zwischen Meerbusch und Kaarst, aber auch ein Feld am Umspannwerk Meerbusch-Osterath und ein Standort im Dormagener Stadtteil Gohr. Verworfen ist dagegen Frimmersdorf im Braunkohle-Revier. Der Konverter wandelt den Gleichstrom aus der westlichen Höchstspannungs-Leitung in Wechselstrom um.

Deutschland hatte nach der Fukushima-Katastrophe den Atom-ausstieg beschlossen. Bis 2022 sollen alle Meiler vom Netz, der Anteil von Ökostrom an der Stromerzeugung soll bis 2035 von 25 Prozent auf 55 bis 60 Prozent steigen.

(anh/mrö)
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