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Köln: Neue Karstadt-Chefin setzt auf das Internet

Köln : Neue Karstadt-Chefin setzt auf das Internet

Eva-Lotta Sjöstedt verkauft in Düsseldorf und Köln selbst Waren – ein Signal an die Mitarbeiter.

Die designierte Chefin der Karstadt-Warenhäuser will beim Umbau des angeschlagenen Konzerns aufs Tempo drücken. "Karstadt ist derzeit nicht profitabel, und das muss sich schnell ändern", sagte Eva-Lotta Sjöstedt. Vor allem die Online-Aktivitäten des Kaufhof -Konkurrenten will die Schwedin ausbauen. Zugleich will sie das Geschäft stärker auf die lokale Nachfrage der Kunden ausrichten.

Offiziell erst ab Ende Februar im Amt, reist die ehemalige Ikea-Managerin derzeit durch die ganze Republik, um sich vor Ort ein Bild von den Karstadt-Warenhäusern und ihrem Geschäft zu machen. "Ich werde deutschlandweit Filialen besuchen", kündigte Sjöstedt an, während sie nichtsahnende Kunden in der Beauty-Abteilung der Kölner Karstadt-Filiale in der Breiten Strasse an der Kasse bediente. Auch in Düsseldorf hat sie bereits Kunden bedient. Der Kontakt zu ihnen und zu den Mitarbeitern, die bei Karstadt schon einiges einstecken mussten, sei ihr sehr wichtig. "Bei den Mitarbeitern setze ich auf Motivation. Wir alle wollen den Erfolg." Sie betonte zugleich: "Wir müssen schneller werden, wir müssen uns stärker an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten." Ihre Mitarbeit in den Filialen ist auch ein Signal an die Mitarbeiter: "Ich trete für flache Hierarchien ein."

Sjöstedt wurde mit Wirkung zum 24. Februar zur neuen Chefin der Karstadt Warenhaus GmbH berufen, in der das Kerngeschäft gebündelt ist. Mit dem Eigentümer Nicolas Berggruen habe sie bereits gesprochen, versicherte Sjöstedt. Ihre Aufgabe sei aber das operative Geschäft: "Alles andere ist Sache der Eigner."

Andrew Jennings war zum Jahresende als Karstadt-Chef ausgeschieden. Seine Berufung Anfang 2011 war damals kritisiert worden – er kenne den von Preiskämpfen und einem erbitterten Wettbewerb gekennzeichneten deutschen Markt zu wenig, hatte es etwa im Lager der Arbeitnehmer geheißen. Zudem sprach Jennings kaum deutsch, was vielen ein Dorn im Auge war.

Auch für Sjöstedt, die für Ikea unter anderem schon in Japan tätig war, ist der deutsche Markt Neuland. Bei Ikea arbeitete sie indes auch an der Verknüpfung von Online- und Filialgeschäft – eine Erfahrung, die sie nun bei Karstadt nutzen will. Andere Händler wie etwa die Douglas-Parfümerien oder die Elektronikkette Media-Saturn setzen bereits auf die enge Verzahnung von Internet-Shops und Filialen.

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Eine fertige Strategie hat Sjöstedt noch nicht, ließ sich aber schon ein wenig in die Karten schauen. Sie möchte den lokalen Charakter der einzelnen Häuser ausbauen sowie das Online-Geschäft noch viel enger mit dem stationären Geschäft verknüpfen, kündigte sie an: "Da sind wir noch längst nicht da, wo wir sein sollten." Sparten, die gut laufen, sollen erhalten bleiben, andere wird sie auf den Prüfstand stellen. "Karstadt ist viel mehr als Mode", fügte sie mit Blick auf ihren Vorgänger hinzu, der stark auf diesen Bereich setzte. Und auch an der deutschen Sprache arbeitet Sjöstedt bereits kräftig und hörbar erfolgreich täglich mehrere Stunden in einer Sprachschule.

(rtr)